Umsetzung ab 2021 EU-Verkehrsausschuss stimmt für Abschaffung der Zeitumstellung

Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments hat für eine Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 gestimmt. Es gibt aber noch Hürden.


Im Frühling eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück: Die Zeitumstellung ist hierzulande ein seit Jahrzehnten übliches Ritual. In Brüssel beraten derzeit aber die EU-Staaten und das Europaparlament über dessen Abschaffung.

Die Abgeordneten wollen nun Druck machen: Der federführende Verkehrsausschuss des EU-Parlaments hat am Montag für eine Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 gestimmt. 23 Abgeordnete votierten in Brüssel dafür, elf dagegen. Enthaltungen gab es keine. Das allein reicht aber nicht, um die Umstellung zu kippen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen noch entscheiden, wie sie künftig mit der Zeitumstellung umgehen wollen.

Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, dass bereits 2019 das halbjährliche Drehen an der Uhr abgeschafft werden solle. Stattdessen solle jeder Staat selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommer- oder Winterzeit will. Jahrelang war die Brüsseler Behörde, die in der EU Gesetze vorschlagen kann, zuvor untätig geblieben. Der Kampf gegen die Zeitumstellung blieb Einzelkämpfern wie dem damaligen Europaabgeordneten und heutigen NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vorbehalten.

Ideen gegen Schlafprobleme

Eine EU-weite Internetumfrage brachte dann Bewegung in die Sache. 4,6 Millionen Antworten gingen bei der EU-Kommission ein. Das war ein absoluter Rekord für diese Art von Befragungen. Allerdings nahm immer noch weniger als ein Prozent der EU-Bürger teil, außerdem war die Befragung nicht repräsentativ.

Doch die Tendenz war eindeutig: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung. Drei Millionen Antworten kamen allein aus Deutschland. Für EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker war das Signal klar: "Die Leute wollen das, also machen wir das." Bis April sollten die Staaten sich untereinander abstimmen, welche Zeit sie wollen.

Den zuständigen EU-Verkehrsministern ging dies aber entschieden zu schnell. Frühestens 2021 solle die Zeitumstellung abgeschafft werden, befanden sie unlängst. Andernfalls drohe ein "Zeit-Fleckerl-Teppich" in Europa, erklärte der damalige Ratsvorsitzende, Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ).

Derzeit stimmten die EU-Staaten untereinander noch ihre Position ab, hieß es nun in Brüssel. Zudem müssten die wirtschaftlichen Auswirkungen genau analysiert werden. Das dauere seine Zeit, hieß es in Diplomatenkreisen. Auf Arbeitsebene solle frühestens im April wieder über das Thema verhandelt werden, das nächste offizielle Ministertreffen dazu ist erst für Juni anberaumt.

Um 10 Uhr noch dunkel in Spanien? Um 3 Uhr schon hell in Polen?

Das wiederum geht dem Europaparlament zu langsam. Bis 2021 müsse man sich nicht Zeit nehmen, um sich abzustimmen, meint etwa der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Insgesamt vier Gremien des EU-Parlaments haben sich in den vergangenen Wochen für einen ehrgeizigeren Zeitplan ausgesprochen: Agrar-, Industrie-, Binnenmarkt- und Gesundheitsausschuss votierten für eine Abschaffung der Zeitumstellung bereits im nächsten Jahr.

Die Vollversammlung des Parlaments wird voraussichtlich Ende März abschließend über die Frage abstimmen. Die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten können jedoch erst beginnen, wenn diese sich auf eine gemeinsame Haltung verständigt haben.

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"Einen wirklichen Mehrwert stellt die lästige Zeitumstellung nicht dar", sagt die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. "Bis heute ist zum Beispiel nicht erwiesen, ob die Zeitumstellung ein Faktor ist, der hilft, Energie zu sparen. Zudem sind die gesundheitlichen Auswirkungen einer Zeitumstellung für den Menschen umstritten." Und: "Im Europäischen Binnenmarkt dürfen unterschiedliche Zeiten etwa nicht zu einer Erschwernis für den grenzüberschreitenden Verkehr führen. Insbesondere aber muss die Einheit der Europäischen Union gewahrt bleiben."

In Mitteleuropa gibt es im Moment eine große Zeitzone von Polen bis Spanien, zu der Deutschland und 16 weitere EU-Länder gehören. Käme für alle 17 Staaten die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10.00 Uhr morgens. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 03.00 Uhr hell.

In der Europäischen Union werden seit 1996 am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt. In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980. Die Änderung war ursprünglich eingeführt worden, um Energie zu sparen.

Alkimos Sartoros, dpa/chs

insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
noepel 04.03.2019
1. Ganz einfach...
nächste Umstellung noch einmal über sich ergehen lassen, anschließend bringt jedes Land seine Wunschzeit mit zum Treffen...und diese würde dann ab Herbst gelten. Umstellung abgeschafft, keine unnötigen Diskussionen...und die Eurokraten hätten endlich mal bewiesen, daß sie auch in der Lage sind etwas auf den Weg zu bringen, ohne vorher ein Affentheater zu veranstalten. Ganz einfach, und das Thema wäre noch in 2019 vom Tisch.
michael_1976 04.03.2019
2. 2021?
Ich kann nachvollziehen dass man alle Vor- und Nachteile abwegen muss. Muss das aber noch 2 Jahre dauern? Spanien ist eh in einer falschen Zeitzone, sie gehörten eher zu GB mit Portugal.
tekau 04.03.2019
3. Lasst es, wie es früher war
Was haben wir davon, wenn es im Winter erst um halb fünf statt um halb vier dunkel wird, dafür aber erst um neun oder später helll wird. Grausige Vorstellung . Am besten immer Normal-(WInter)zeit
Newspeak 04.03.2019
4. ...
"Stattdessen solle jeder Staat selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommer- oder Winterzeit will." Na, super. Jeder Vorteil einer einheitlichen Loesung wird der nationalistischen Kleinstaaterei geopfert. "Bis heute ist zum Beispiel nicht erwiesen, ob die Zeitumstellung ein Faktor ist, der hilft, Energie zu sparen. Zudem sind die gesundheitlichen Auswirkungen einer Zeitumstellung für den Menschen umstritten." Gibt es auch gesundheitliche Auswirkungen, wenn ich freiwillig eine Stunde frueher aufstehe? Wenn man die Gesundheit als Argument vorschiebt, wieso werden dann Millionen Jugendliche entgegen ihrem Biorhythmus in die Schule gezwungen? Wieso fangen alle Arbeitnehmer zur gleichen Zeit an, obwohl es wissenschaftliche ganz und gar nicht umstritten ist, dass es Lerchen und Eulen gibt? Das sind doch alles hanebuechene Argument dafuer, dass man sich in Europa vom gesunden Menschenverstand verabschiedet.
swandue 04.03.2019
5.
Zitat von noepelnächste Umstellung noch einmal über sich ergehen lassen, anschließend bringt jedes Land seine Wunschzeit mit zum Treffen...und diese würde dann ab Herbst gelten. Umstellung abgeschafft, keine unnötigen Diskussionen...und die Eurokraten hätten endlich mal bewiesen, daß sie auch in der Lage sind etwas auf den Weg zu bringen, ohne vorher ein Affentheater zu veranstalten. Ganz einfach, und das Thema wäre noch in 2019 vom Tisch.
"jedes Land seine Wunschzeit" - Ich fürchte, das wäre keineswegs "ganz einfach". Einen solchen Unsinn haben die Brexit-Protagonisten vor einigen Jahren erzählt und jetzt sieht man die Realität. Aber man sollte darüber nachdenken, ob eine Zeitzone von Polen bis Spanien vielleicht doch zu groß ist. Ich wünsche mir, dass es weiterhin im Sommer Abends lange hell ist.
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