Zeitungsbericht: Japan verzichtet auf Fusionsreaktor "Iter"

Im Streit um den Standort des weltweit ersten nuklearen Fusionsreaktors scheint sich eine Einigung abzuzeichnen: Laut einem japanischen Zeitungsbericht will Tokio freiwillig verzichten. Frankreich bekäme dann wohl den Zuschlag für das Milliardenprojekt.

ITER-Fusionsreaktor (Zeichnung): Bald in Frankreich?
ITER

ITER-Fusionsreaktor (Zeichnung): Bald in Frankreich?

Japan könnte das Zugeständnis möglicherweise deshalb machen, weil man auch so Teile der Konstruktion übernehmen und Arbeitsplätze schaffen könne, berichtet die Tageszeitung "Yomiuri Shimbun". Der europäische Forschungskomissar Janez Potočnik habe im April bei einem Besuch in Tokio ein neues Angebot in diese Richtung gemacht, so die Zeitung. Es ähnele einem japanischen Vorschlag vom vergangenen September: Demnach sollen Länder, die nicht den Zuschlag für den Standort des Fusionsreaktors bekämen, 20 Prozent der Konstruktionsarbeiten ausführen dürfen, aber nur 10 Prozent der Kosten übernehmen müssen.

Kernfusion wird als umweltfreundliche Methode der Energiegewinnung gepriesen. Sollten sich die Vorhersagen von Forschern und Planern bewahrheiten, könnte man damit aus Meerwasser Strom erzeugen. Dazu würden Atomkerne miteinander verschmolzen, anstatt wie in herkömmlichen Atomkraftwerken gespalten zu werden.

In den fünfzig Jahren, die die Forschung auf diesem Gebiet bereits andauert, ist bislang aber kein tatsächlich nutzbarer Reaktor entwickelt worden. Der "International Thermonuclear Experimental Reactor" (Iter) soll das ändern - machte bislang aber vor allem deshalb Schlagzeilen, weil Frankreich und Japan in einen heftigen Streit darüber gerieten, wo der Reaktor nun gebaut werden darf. Neben Japan drängten vor allem Südkorea und die USA darauf, das Projekt im japanischen Rokkasho anzusiedeln, China und Russland unterstützen den Wunsch der Europäischen Union, es ins französische Cadarache zu holen.

Das Projekt soll nach Schätzungen der Europäischen Union etwa zehn Milliarden Euro kosten, 4,5 Milliarden würden allein in den Bau des Reaktors selbst fließen. Eingeschaltet werden soll der Reaktor laut dem Projekt-Plan im Jahr 2015. Anschließend soll er 20 Jahre lang laufen.

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