Zeppeline Rückkehr der leichten Giganten

Der Absturz der "Hindenburg" beendete die Ära der Luftschiffe vor 70 Jahren. Nun erlebt der Zeppelin allmählich eine Renaissance: Touristen und Wissenschaftler entdecken die Vorzüge der Luftschiffe.


Am 6. Mai 1937 ging am Himmel über Lakehurst ein Traum der Luftfahrt in Flammen auf. Beim Landeanflug nahe New York verbrannte das Luftschiff "Hindenburg", 36 Menschen kamen ums Leben. Zunächst dachte keiner daran, dass jemals wieder ein Zeppelin fliegen würde. Doch in den vergangenen Jahren erlebten die Luftschiffe eine kleine Renaissance.

109 Zeppeline wurden in der Zeit zwischen 1900 und 1938 in Friedrichshafen am Bodensee gebaut. Danach wurde es ruhig um die fliegenden Riesen. Zwar schwebten sogenannte Blimps weltweit als Werbeträger durch die Lüfte, doch genau genommen sind Blimps nur große gasgefüllte Ballons, die im Gegensatz zu den klassischen Zeppelinen über kein inneres Gerüst verfügen.

Die Renaissance der legendären Luftschiffe begann 1993. In diesem Jahr wurde die Zeppelin-Luftschifftechnik in Friedrichshafen am Bodensee gegründet mit dem Ziel, wieder Zeppeline zu bauen. Bereits acht Jahre später war es so weit: Der Zeppelin "Neue Technologie" (NT) hob zu seinem Erstflug ab. Gefüllt ist die Hülle des 75 Meter langen Luftschiffes nicht mehr wie früher mit Wasserstoff, sondern mit unbrennbarem Helium.

Dezenter Sex am Himmel

Insgesamt wurden bislang drei Zeppelin NT gebaut, ein vierter befindet sich nach Auskunft von Kathrin Runge, Sprecherin der Zeppelin-Luftschifftechnik, derzeit im Bau. "Wir haben einen Zeppelin nach Japan verkauft und einen an die Firma de Beers, die ihn bei der Suche nach Diamanten in Südafrika einsetzt", sagte Runge.

Der dritte Zeppelin, in dem auch zwölf Passagiere Platz finden, fliegt Touristen über den Bodensee und die Alpen. Mehr als 60.000 Fluggäste sind mit dem NT seit der Aufnahme des Flugverkehrs geflogen. Wer einmal mit einem Zeppelin fliegen möchte, muss dafür je nach Flugzeit und Route aber auch zwischen 200 und 700 Euro investieren.

Optisch versucht der Zeppelin NT mit dezentem Sex Aufmerksamkeit zu erregen: Auf seiner Hülle räkelt sich auf einer Länge von 75 Metern eine nackte Schöne, verziert mit Blumen. Die Dame soll die Bodenseegäste und natürlich auch die Einheimischen auf die Blumeninsel Mainau locken. Wer nun freizügige Bilder im XXL-Format erwartet, wird freilich enttäuscht: Die Nackte ist eine aus wenigen Strichen bestehenden Zeichnung, die entfernt an die Figuren von Keith Haring erinnert.

Anfangseuphorie verflogen

Auch der vierte Zeppelin, der sich derzeit in der Halle in Friedrichshafen im Bau befindet, soll nach Angaben der Zeppelinreederei am Bodensee bleiben und für touristische Rundflüge genutzt werden. Die Zahl der Interessenten dürfte sich bei einem Preis von mindestens neun Millionen Euro pro Luftschiff jedoch in Grenzen halten.

Die Anfangseuphorie scheint verflogen: War in den ersten Jahren nach dem Jungfernflug noch von regelmäßigen Reisen über den Atlantik die Rede und dem Bau von großen Luftschiffen mit bis zu 70 Passagieren, so ist es jetzt ruhig geworden um den Zeppelin. Lieferschwierigkeiten und lange Bauzeiten hatten in den ersten Jahren mögliche Investoren abgeschreckt.

Jetzt scheint bereits eine Sättigung erreicht zu sein, auch wenn das Luftschiff mit einer maximalen Flugzeit von 24 Stunden vielseitig genutzt werden könnte - wie beispielsweise zur Luftraumüberwachung oder bei der Messung von Schadstoffen in der Atmosphäre. So plant etwa das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, mit einem Zeppelin den Nordpol zu überfliegen. Im Rahmen des "PoleAirship"-Projekts soll die Eisdicke großräumig vermessen werden.

Susanne Hogl, AP



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