Nordrhein-Westfalen Die Schönheit aus dem Sarkophag

Im nordrhein-westfälischen Zülpich haben Archäologen einen 1700 Jahre alten riesigen Steinsarkophag entdeckt. Darin lag eine junge Frau, deren Grabbeigaben viel über ihre Vorlieben verraten.

DPA

Was nimmt man mit auf die letzte Reise? In Gräbern aus der Römerzeit stoßen Archäologen häufig auf Abschiedsgeschenke der Lebenden an den Toten - darunter häufig Dinge, die für den Verstorbenen von Bedeutung waren. In einem etwa 1700 Jahre alten Sarkophag sind Archäologen nun auf eine außergewöhnliche Grabbeigabe gestoßen: eine Art antike Beauty-Ausstattung.

Entdeckt wurde der tonnenschwere Sarkophag im Herbst 2017 in Zülpich in der Eifel. Damals sollte das Gewerbegebiet in Zülpich erweitert werden, doch genau an der Stelle lag einst eine wichtige römische Straße, die Köln und Trier verband. Eine neu geplante Wasserleitung sollte direkt an einer bereits bekannten antiken Hofanlage vorbeiführen, die einst an der wichtigen Handelsstraße lag.

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Archäologie: Antike Beauty-Ausstattung

Deshalb arbeiteten auch Archäologen auf der Baustelle, die den Sarkophag schließlich entdeckten. Da noch weitere Gräber zu untersuchen waren, wurde der Fund erst jetzt publik gemacht

"Schön sein bis in den Tod"

Er stammt aus dem 3. Jahrhundert und wiegt mehrere Tonnen. Das Außergewöhnliche an ihm ist jedoch nicht die riesige Steinkiste allein, sondern die Menge und die Auswahl dessen, was darin lag. "Der Schwerpunkt der Objekte liegt eindeutig im Bereich Schmuck, Kosmetik", sagt Susanne Willer vom Rheinischen Landesmuseum Bonn. "Nach dem Motto: Schön sein bis in den Tod."

Die Römerin könnte ersten Analysen zufolge im Alter zwischen 25 und 30 Jahren gestorben sein. Auf ihre letzte Reise gab man ihr in dem tonnenschweren Sarg unter anderem einen Handspiegel, eine Schminkpalette zum Auftragen von Kosmetik sowie Salben und Düfte in kleinen Fläschchen mit. Besonders aufwendig gearbeitet ist ein kleines Klappmesser, dessen Griff eine kleine Herkulesfigur schmückt.

Die Beigaben und das Skelett hatten rund 1700 Jahre in dem Grab gelegen. Wo die Funde einst zu sehen sein werden, ist noch nicht entschieden.

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