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Zufriedenheitsstudie: So glücklich sind die Europäer

Und Geld macht doch glücklich - zumindest im Prinzip. Das beweist eine Umfrage in 30 europäischen Staaten. In Dänemark und Finnland sind die Menschen besonders zufrieden. Die Deutschen liegen genau im EU-Durchschnitt.

Vom Donaudelta bis zum Atlantik, vom Mittelmeer bis zum Nordkap: Für die zweite Ausgabe der Studie "European Quality of Life Survey" ließ die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) rund 30.000 Fragebögen an Privathaushalte verteilen. Das Ziel der aufwändigen Aktion: Die Forscher wollten ein Stimmungsbild aus den 27 EU-Staaten, Norwegen und den drei Kandidatenländern Kroatien, Türkei und Mazedonien erstellen.

Glückliche Menschen: "Wenn eine bestimmte Stufe des Einkommens erreicht ist, spielt mehr Geld keine große Rolle mehr."
Corbis

Glückliche Menschen: "Wenn eine bestimmte Stufe des Einkommens erreicht ist, spielt mehr Geld keine große Rolle mehr."

Das Zufriedenheitsmonopol liegt dabei nach den Erkenntnissen der Forscher in Skandinavien: Als glücklichste Europäer stellten sich bei der Befragung die Dänen, Schweden und Finnen heraus. Mazedonier, Ungarn und Bulgaren standen hingegen ganz am Ende der Glücks-Skala. Die Deutschen lagen in Sachen Lebensglück zusammen mit Slowaken und Tschechen genau im EU-Durchschnitt. Franzosen, Briten und Spanier waren der Studie zufolge etwas glücklicher mit ihrem Leben. Polen, Österreicher und vor allem Italiener zeigten sich unglücklicher.

"Länder mit hohem Einkommen schneiden bei der Frage nach der Zufriedenheit im Leben sehr gut ab", sagte Branislav Mikulic von Eurofound. Glück und Zufriedenheit wüchsen aber nicht zusammen mit dem Bankkonto: "Wenn eine bestimmte Stufe des Einkommens erreicht ist, spielt mehr Geld keine große Rolle mehr bei der Steigerung der Lebensqualität."

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Als Beispiel führt der Forscher die nordischen Länder an, wo die befragten Menschen unterschiedlicher Gehaltsstufen ein ähnliches Glücksempfinden äußerten. Die Dänen, Finnen, Schweden und ähnlich glücklichen Niederländer schätzen die Spannungen zwischen Arm und Reich in ihrer Heimat zugleich sehr gering ein. In Deutschland, Frankreich, Polen und Österreich wird der Gegensatz zwischen armen und reichen Bürgern viel stärker empfunden.

Vor allem in den Ländern, die der EU seit 2004 beitraten, können vergleichsweise viele Menschen sich auch einfache Dinge nicht leisten. In den meisten neuen EU-Staaten haben mehr als 15 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben zu wenig Geld, um ihre Wohnung zu heizen oder mindestens jeden zweiten Tag eine warme Mahlzeit mit Fisch oder Fleisch aufzutischen. Ärmere erlebten auch ihr Familienleben als schwieriger, hieß es.

Zahlreiche EU-Bürger fühlen sich zudem krank. "Nicht sehr viele Menschen in der EU beurteilen ihre Gesundheit als gut", sagte der Experte Robert Anderson. Dabei seien Familie und Gesundheit die wichtigsten Faktoren für Zufriedenheit. Allerdings bewerteten insgesamt nur 21 Prozent ihre Gesundheit als "sehr gut", weitere 46 Prozent wählten die Bezeichnung "gut". Jeder vierte Europäer wiederum ist nur "mittelmäßig" gesund, acht Prozent empfinden ihren Zustand als "schlecht" oder "sehr schlecht".

Beim Thema Gesundheit zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den EU-Ländern: In den 12 zuletzt beigetretenen Staaten und den drei Anwärter-Ländern fühlen sich deutlich mehr Menschen bei schlechter Gesundheit als in den 15 alten EU-Staaten. Innerhalb der Länder ergeben sich die größten Unterschied vor allem in Abhängigkeit vom Einkommen: In Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Lettland und Portugal etwa sind 30 Prozent der Menschen mit dem geringsten Einkommen krank.

Bei der Bewertung spielt auch eine Rolle, ob medizinische Hilfe in erreichbarer Nähe ist. Jeder vierte Europäer klagt darüber, dass Ärzte und Krankenhäuser zu weit vom Wohnort entfernt seien. Mehr als jeder Dritte muss nach eigenen Angaben zu lang auf Termine warten und wiederum jeder Vierte kann sich den Arztbesuch nicht leisten. Vor allem Senioren haben es schwer: Insgesamt klagen 18 Prozent der über 65-Jährigen über eine schlechte Gesundheit, in den 12 zuletzt beigetretenen Staaten sind es sogar 34 Prozent.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Erst kürzlich hatten britische Forscher eine EU-Rangliste für die Gesundheit erstellt. Deutschland schnitt dabei schlecht ab: Wer hierzulande 50 Jahre als ist, hat durchschnittlich nur noch 13 gesunde Jahre vor sich.

Für die EU-Forscher des Eurofound ist insbesondere die mentale Gesundheit ein Index dafür, wie gut es einem Land geht. Bei ihren Vergleichen stellten die Forscher fest: In den 15 alten EU-Staaten berichten die Einwohner häufig, dass sie den Großteil ihrer Zeit gut gelaunt sind, ihr Leben interessant finden, und viel Energie für ihren Alltag haben. Am schlechtesten schneiden die Türken ab: Ihr Index der mentalen Gesundheit liegt nur bei 47 Prozent, in Norwegen hingegen bei 70 Prozent.

Trotz aller Probleme sahen die meisten Bürger zum Zeitpunkt ihrer Befragung zwischen September 2007 und Februar 2008 optimistisch in die Zukunft. Die Deutschen waren sogar etwas zuversichtlicher als der durchschnittliche Europäer. In Frankreich, Italien, Portugal, in Ungarn, Tschechien, Bulgarien und der Slowakei überwogen hingegen die Pessimisten.

Auch bei der Frage, wie sehr man anderen Menschen und politischen Institutionen vertrauen könne, zeigten sich deutliche Unterschiede: Während die nordischen Länder Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark allgemein besonders viel Vertrauen offenbarten, zeigten sich Zypern, Mazedonien, Lettland und Bulgarien skeptisch. Auf einer Skala von 1 bis 10 erhielten weder politische Institutionen noch andere Menschen durchschnittlich mehr als 4 Punkte.

Die am Mittwoch veröffentlichten Daten bilden den Auftakt für eine ganze Publikationsserie: Im März kommenden Jahres will die EU-Stiftung eine komplette Auswertung der Umfrage vorlegen, die dann auch Vergleiche zur ersten derartigen Untersuchung im Jahr 2003 umfassen soll. Außerdem soll es danach Spezialberichte für einzelne Themenfelder geben.

hei/chs/dpa

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Grafik: Ergebnisse der Glücksstudie


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