Zufriedenheitsstudien Die Welt wird immer glücklicher

Rund um den Globus nimmt die Zufriedenheit zu: 40 Nationen sind heute glücklicher als vor 17 Jahren. Grund sind ökonomische Sicherheit, soziale Toleranz und demokratische Staatsformen. Die Deutschen sind allerdings weniger zufrieden. Hierzulande nehmen Glücksgefühle sogar ab.

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Dänemark ist schon lange das glücklichste Land auf dieser Welt. Seit Jahren führt es in den Umfragen. Neu ist: Die Menschen dort werden sogar immer glücklicher. Und damit sind sie nicht allein. Die Zufriedenheit nimmt auch in 39 weiteren Nationen stetig zu. Das sind die neuen Ergebnisse des World Values Surveys, der größten Umfrage zu menschlichen Werten.

Sehr glücklich: In 40 Ländern nehmen Glück und Zufriedenheit stetig zu
Corbis

Sehr glücklich: In 40 Ländern nehmen Glück und Zufriedenheit stetig zu

In den vergangenen Jahren haben Forscher 350.000 Menschen rund um den Globus für den World Values Survey befragt, wie glücklich sie sind. In mehreren Wellen publizierten die Wissenschaftler um den Politologen Ronald Inglehart von der University of Michigan in Ann Arbor ihre Daten. Unter anderem erstellten sie für 97 Nationen ein internationales Ranking: Dänemark führt die Liste an, gefolgt von der Schweiz, Island, Niederlande und Kanada. Deutschland liegt im Mittelfeld, Schlusslicht bildet Simbabwe.

Jetzt konzentrierten sich die Forscher auf die Frage, wie stark sich die Zufriedenheit einer Nation innerhalb von mehreren Jahren verändert. "Bislang sind wir immer davon ausgegangen, dass das Wohlbefinden einer Nation relativ konstant bleibt", sagt Inglehart.

Index für die Zufriedenheit

Das Team besitzt jetzt Daten aus 17 Jahren (1981 bis 2007) von insgesamt 52 Nationen - und neue Erkenntnisse: Wie sie in der Fachzeitschrift "Perspectives of Psychological Science" berichten, nahm der Zufriedenheitsindex in dieser Zeitspanne in insgesamt 40 Ländern zu. Nur in zwölf Nationen wurden die Menschen unglücklicher.

Für diese Analyse nutzten die Wissenschaftler Umfragen, in denen Personen in verschiedenen Jahren immer die gleichen zwei Fragen beantworten mussten: "Sind Sie alles in allem sehr, ziemlich, nicht sehr oder gar nicht glücklich?" und "Wie zufrieden sind Sie im Allgemeinen mit Ihrem Leben heute?" Anhand der Antworten auf diese zwei Fragen entwickelte das Team einen Index, der sowohl Glück als auch Zufriedenheit widerspiegelt.

Den größten Zuwachs dieser beiden Gefühle haben den neuen Ergebnissen zufolge die Ukraine, Moldawien, Slowenien, Nigeria, Türkei und Russland. "Viele ehemalig kommunistische Länder haben allgemein einen niedrigen Glücksindex", erklärt Inglehart. "Allerdings wächst die Zufriedenheit in diesen Nationen rasant." Nach dem Zusammenbruch der Systeme seien viele Menschen von Armut bedroht gewesen. Nun steige der ökonomische Standard allerdings wieder an und dadurch auch die Zufriedenheit.

Blickten die Wissenschaftler weiter in die Vergangenheit, veränderten sich die Trends: Zahlen aus den Jahren von 1973 bis 2006 zeigten, dass die Zufriedenheit in Italien, Dänemark und Frankreich in diesem Zeitraum konstant zunahm. In Großbritannien, den Niederlanden und Japan veränderte sich das Glücksgefühl hingegen kaum. In Deutschland zeigte sich sogar eine leicht abnehmende Tendenz.

Frei und glücklich

Um die Entwicklung über einen noch längeren Zeitraum zu beobachten, verglichen die Forscher ihre aktuellen Daten mit Zahlen aus dem Jahr 1946. Demnach werden vor allem Indien, Irland, Mexiko, Puerto Rico und Südkorea immer glücklicher, während vier Länder einen absteigenden Trend aufweisen: Österreich, Belgien, Großbritannien - und Deutschland.

Europa-Karte des Glücks: In Skandinavien sind die Menschen besonders zufrieden
University of Leicester / Adrian White

Europa-Karte des Glücks: In Skandinavien sind die Menschen besonders zufrieden

Die Gründe für die Zufriedenheit einer Nation sind unterschiedlich. Eine entscheidende Rolle spielt nach wissenschaftlicher Auffassung die ökonomische Sicherheit: Reiche Länder sind insgesamt glücklicher als arme. Das zeigt auch die Weltkarte des Glücks, die Wissenschaftler von der University of Leicester im Jahr 2006 erstellt haben. Sie werteten 100 Untersuchungen von Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Unesco aus, in denen rund 80.000 Menschen befragt worden waren.

Die Ergebnisse: Die Top drei der glücklichsten Nationen führte wiederum Dänemark vor der Schweiz und Österreich an. Deutschland kam auf Rang 37 und lag damit im mittleren Drittel, während Kongo (176), Simbabwe (177) und Burundi (178) am unglücklichsten von allen Ländern waren. Die Bewohner der Glücksländer sind also wohlhabend, gebildet, gesund und nur selten arbeitslos. In den Nationen ohne Zufriedenheit hingegen herrscht Hunger und Not.

Die Forscher um Inglehart haben nun zwei weitere Faktoren gefunden, die das Glücksgefühl einer Nation offenbar noch stärker beeinflussen: Demokratie und soziale Toleranz. Wo Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau herrsche und wo ethnische Minderheiten, Schwule und Lesben akzeptiert würden, sei die Zufriedenheit deutlich gestiegen. Inglehart: "Die Menschen sind in jenen Gesellschaften am glücklichsten, in denen sie am meisten Freiheiten für die eigene Lebensgestaltung haben."

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