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Zurückgezogene Veröffentlichung: Spermazüchter hat bei sich selbst abgeschrieben

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Ein Fachmagazin hat eine Veröffentlichung über die Züchtung von Sperma aus Stammzellen zurückgezogen. Der Grund: In der Arbeit wurden Passagen aus einer älteren Veröffentlichung übernommen. Die Daten aber, so betonen die Forscher, seien völlig in Ordnung.

Das sorgte für Aufsehen: Ein Team um den britischen Stammzellforscher Karim Nayernia von der Newcastle University sowie Wolfang Engel von der Universität Göttingen hatte im Juli in der Fachzeitschrift " Stem Cells and Development" vermeldet, Spermien aus Stammzellen gezüchtet zu haben.

Vor allem die britische Presse berichtete ausgiebig über die Arbeit und spekulierte bereits über neue Perspektiven für unfruchtbare Männer. Experten allerdings bezweifelten, ob die entstandenen Zellen wirklich funktionale Spermien waren.

Nun zog "Stem Cells and Development" die Arbeit zurück, wie Chefredakteur Graham C. Parker in einer Mitteilung wissen ließ. Mitverfasser des Artikels, Miodrag Stojkovic sagte SPIEGEL ONLINE: "Der Artikel wurde zurückgezogen, weil die Einleitung von einer älteren Arbeit Nayernias aus dem Fachmagazin 'Biology Of Reproduction' kopiert wurde." Stojkovic ist Stammzellforscher am Prinz Felipe Forschungszentrum im spanischen Valencia und Co-Autor der Arbeit. Er hatte früher an dem Institut gearbeitet und die Stammzelllinien gezüchtet, aus denen Nayernia die Spermien offenbar entwickelt hat.

Graham Parker, Chefredakteur von "Stem Cells and Development" bestätigte auf Anfrage: "Der Artikel enthielt in seiner Einleitung substantielle Passagen, die ohne Verweis auf den ursprünglichen Autor kopiert wurden. Es gibt jedoch keinerlei Hinweise auf eine Fälschung von Daten."

Nayernia sagte SPIEGEL ONLINE: "Das Fachmagazin hatte zwei Versionen von unserem Artikel. In der alten hatte ein Mitarbeiter die Einleitung von einer meiner älteren Veröffentlichungen übernommen. Wir haben das bemerkt und eine neue Version nachgereicht. Die wissenschaftlichen Daten sind völlig in Ordnung." Laut Nayernia habe er das Plagiat nicht bemerkt, als Erstautor der Arbeit trägt er jedoch die Verantwortung.

"Niemand hat geschummelt"

Wolfgang Engel vom Humangenetischen Institut der Universität Göttingen ist ebenfalls Co-Autor der Arbeit, weil Nayernia früher Mitarbeiter in seinem Institut war und DNA-Proben von Engel für seine Arbeit benutzt hat. Gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte Engel: "Die Daten der Arbeit sind nicht falsch, niemand hat geschummelt. Aber es gibt offensichtlich Probleme mit den eingereichten Manuskripten. In der ersten Version gibt es ein Plagiat, die Einleitung wurde aus einer anderen Publikation abgeschrieben." Zudem sei in der ersten Version nicht Nayernia als Erstautor genannt, sondern jemand anderes.

Stojkovic bemängelte die Vorgehensweise Nayernias bei der Veröffentlichung: "Ich habe das Manuskript vor der Veröffentlichung nie zu lesen bekommen. Das ist nicht in Ordnung. Normalerweise muss es allen Co-Autoren vorab zum Lesen gegeben werden, und die müssen mit der endgültigen Version einverstanden sein."

Auch Engel bestätigte, dass er nicht die finale Version des Manuskripts gesehen habe. Die Vorgehensweise wollte er allerdings nicht beurteilen.

Nayernia widerspricht dem: "Alle Autoren wurden über die Einreichung des Artikels informiert. Die finale Version des Manuskripts habe ich zudem per E-Mail an alle geschickt. Außerdem hatte jeder jederzeit per Login Zugang zu den Manuskripten auf dem Server des Fachmagazins."

Stojkovic hat Nayernia nun aufgefordert, dass er ihn von der Autorenliste streicht.

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1. Hätte er eben ein bischen abändern müssen.
horch 23.07.2009
Zitat von sysopEin Fachmagazin hat eine Veröffentlichung über die Züchtung von Sperma aus Stammzellen zurückgezogen. Der Grund: In der Arbeit wurden Passagen aus einer älteren Veröffentlichung übernommen. Die Daten aber, so betonen die Forscher, seien völlig in Ordnung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,637811,00.html
Tja, der Arme hat halt nicht beachtet, dass man den Text schon ein wenig verändern muß, wenn man eigene Passagen kopiert. Das gibt sonst Ärger mit dem Copyright, dass man üblicherweise an den Verlag abtritt, der einen wissenschaftlichen Artikel publiziert. Selbst schuld....
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