Er gilt als furchtlos, als majestätisch, als Tier, das Fahnen und Wappen schmücken darf. Doch der europäische Braunbär, nach dem Eisbär das größte Raubtier auf dem Kontinent, gibt in Europa schon lange nicht mehr den Ton an.
Noch vor 3000 Jahren waren die pelzigen Tiere in ganz Europa anzutreffen, jetzt ist der Braunbär in Westeuropa nur noch sehr spärlich beheimatet. Einzelne Populationen sind in den Pyrenäen, im spanischen Kantabrien, in den österreichischen Alpen und im italienischen Apennin anzutreffen. In Deutschland gilt der Braunbär seit etwa 1835 als ausgestorben.
Wesentlich häufiger sind Bären im Norden und Osten Europas anzutreffen. In den Karpaten kommt beispielsweise ein Bär auf 20 Quadratkilometer. Auch in Skandinavien, Russland und der Türkei leben die sanften Räuber noch in größeren Gruppen.
Bären, hauptsächlich in bewaldeten, bergigen Regionen heimisch, sind Allesfresser, haben sich in Europa aber hauptsächlich auf vegetarische Nahrung beschränkt. Im Spätsommer und Herbst sind es vor allem Beeren und Früchte, die die Grundlage für den Winterspeck und den mehrmonatigen Schlaf bilden. Daneben fallen den Bären gelegentlich Fische, Mäuse, Murmeltiere und Aas, selten auch größere Säuger zum Opfer.
Auch wenn sie oft als furchteinflößend dargestellt werden, sind Bären eigentlich scheu. Meist ergreifen die Tiere schon lange, bevor Menschen sie sehen könnten, die Flucht. Werden sie allerdings überrascht, können sie - vor allem in Begleitung von Jungtieren - auch Menschen gefährlich werden.
Als Allesfresser machen die Braunbären selbst vor den Mülltonnen der Menschen nicht halt. Vor allem dem nordamerikanischen Grizzlybär (ebenfalls eine Braunbärenunterart) droht, derart an menschliche Siedlungen gewöhnt, oftmals der Abschuss.
In Europa trägt neben der Jagd vor allem die Zerstörung des Lebensraumes der Bären zur Ausrottung bei. Die Zersiedlung der Landschaft, der Bau von Straßen oder neuen Touristenorten in immer entlegeneren Regionen Europas treiben den Bär weiter zurück. Auch vergiftete Köder, eigentlich für Wölfe gedacht, setzen den Tieren zu.
Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF werden Braunbären auch zunehmend als Rohstofflieferanten für die traditionelle asiatische Medizin missbraucht. Bärentatzen, die unter anderem in Suppen verarbeitet werden, gelten als gesundheitsfördernde Delikatesse. Besonders aber die Galle der Säugetiere findet reißenden Absatz. Eine Gallenblase bringt bis zu 150 US-Dollar ein.
Doch es gibt Hoffnungsschimmer: In Österreich gelang es im Rahmen eines mehrjährigen Projekts, die zotteligen Gesellen wieder anzusiedeln - unterstützt von den Bauern. Nach Angaben des WWF leben in der Alpenrepublik derzeit rund 30 Bären.
Alexander Stirn
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