Fast überall in den Weltmeeren lassen sie sich nachweisen: Die tiefen Gesänge der Finnwale erreichen einen Schalldruck von bis zu 186 Dezibel und sind zusammen mit den Balladen der Blauwale die lautesten Tiergeräusche im Ozean. Bislang konnten die Niederfrequenztöne aber kaum zu einzelnen Walen zurückverfolgt werden, die Funktion der Gesänge blieb daher unklar.
Jetzt ist es einem Team von US-amerikanischen und mexikanischen Forschern gelungen, die Urheber der Lieder auszumachen. Die weit reichenden Signale stammen, wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" berichten, nur von den männlichen Tieren. Damit ist es wahrscheinlich, dass die Geräusche der Brautwerbung dienen.
Donald Croll von der University of California in Santa Cruz und seine Kollegen hatten die sangeskräftigen Meeres-Troubadoure im Golf von Kalifornien mit einer 120 Meter langen Schleppe aus Unterwassermikrofonen geortet. Nachdem das für den Gesang verantwortliche Tier unzweifelhaft identifiziert worden war, entnahmen ihm die Forscher eine Gewebeprobe, um sein Geschlecht zu bestimmen.
Die tiefen Töne, die für eine Kommunikation über lange Strecken optimal sind, helfen den Männchen vermutlich, potenzielle Partnerinnen anzulocken. Dafür spricht auch eine Eigenheit der lautesten Meeressäuger: Anders als die verwandten Buckelwale versammeln sich die weit verstreut lebenden Finn- und Blauwale nicht in speziellen Paarungsgebieten. Daher sind sie bei der Kontaktanbahnung wahrscheinlich auf Ferngespräche angewiesen.
Wenn die Schlussfolgerungen des Teams stimmen, dann könnte die zum Beispiel durch militärische Sonarsysteme verursachte Lärmbelastung in den Meeren für die Finnwale dramatische Folgen haben. Seit den sechziger Jahren haben, so die Forscher, insbesondere die Geräusche in dem von den Tieren benutzten Frequenzbereich zugenommen. Möglicherweise wird dadurch die Verständigung der Säuger gestört, so dass es seltener zu Paarungen kommt.
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