Spektakuläre Skelettfunde geben Aufschluss über die merkwürdigen Lebewesen, die den fünften Kontinent während des Pleistozäns bevölkerten. Die aus Höhlen geborgenen, gut erhaltenen Überreste von prähistorischen Beutellöwen und anderen Urtieren bezeichneten australische Paläontologen als "Jahrhundertfund". Über die Entdeckung berichtete die Tageszeitung "Sydney Morning Herald" am Dienstag.
Die drei fossilienreichen Höhlen in der westaustralischen Nullarbor-Ebene waren im Mai von einem Ultraleichtflugzeug aus entdeckt worden. Nach Berichten über erste Knochenfunde brachen Paläontologen vom Western Australian Museum zur "Operation Leo" auf. Vor drei Wochen kamen die Forscher um John Long mit einer sensationellen Ausbeute von der Expedition zurück.
Zu den Fundstücken zählt das erste komplette Skelett des Beutellöwens Thylacoleo carnifex sowie Reste von sieben weiteren Exemplaren. Das Raubtier wurde bis zu drei Meter lang und war mit Furcht erregenden Schneidezähnen ausgestattet. Mit großen, einziehbaren Klauen konnte der urtümliche Jäger seine Beute aufschlitzen und auf Bäume schleppen wie moderne Leoparden.
Die Höhlen wurden auch anderen ungewöhnlichen Kreaturen zum Verhängnis: So fand die Expedition die Knochen des größten bekannten Kängurus, Procoptodon goliah, das bis zu drei Meter groß wurde. Auch ein Wombat - ein nagetierähnliches Beuteltier - von der Größe eines Kleinwagens, mit sichelförmigen Klauen bewehrte Wallabys, also kleinere Kängurus, sowie Tasmanische Beutelwölfe kamen in den Fallgruben ums Leben.
Durch das trockene und kühle Klima in den Höhlen konnten die Skelette bis zu 1,5 Millionen Jahre in relativ gutem Zustand überdauern. Long und seine Kollegen waren dem Bericht des "Sydney Morning Herald" zufolge in der Lage, Proben für Laboranalysen auf Gewebe-, Haar- und Parasitenreste zu entnehmen. Außerdem bestimmten die Wissenschaftler vor Ort die Strahlungswerte, um die Fundstellen genau datieren zu können.
Die Nullarbor-Höhlen zählten zu den bedeutendsten Fundorten für solche Fossilien in Australien, sagte Long der Zeitung. "Die Megafauna war unvorstellbar vielseitig", so der Paläontologe. "Sie verrät uns, wie das Pleistozän in Australien 1,8 Millionen bis 10.000 Jahre vor unserer Zeit aussah. Außerdem gibt sie Aufschluss darüber, wie sich die moderne Tierwelt aus einigen der am meisten spezialisierten Kreaturen der Erde entwickelte."
Zur vorzeitlichen Fauna Australiens gehörten neben Beutellöwen und Riesenkängurus zum Beispiel auch bis zu zwei Tonnen schwere, an Wombats erinnernde Diprotodonten, sieben Meter lange Raubwarane namens Megalania, riesige Würgeschlangen und mächtige Schildkröten. Doch die Giganten verschwanden fast ausnahmslos von der Bildfläche - wenige Jahrtausende, nachdem der Mensch vor rund 60.000 Jahren den Kontinent eroberte.
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