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01.08.2002
 

Nordsee

20 Kilometer großer Krater entdeckt

Auf der Suche nach Erdöl haben Forscher einen imposanten Krater unter dem Nordseegrund gefunden. Die aufgeworfenen Ringe entstanden vermutlich durch einen Einschlag vor rund 65 Millionen Jahren.

3D-Ansicht des Silverpit-Kraters: Unter Sedimenten begraben
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BP/ PGL

3D-Ansicht des Silverpit-Kraters: Unter Sedimenten begraben

Östlich der britischen Küste bietet die Nordsee reiche Vorkommen von Erdöl und Erdgas. Doch auf der Suche nach den Bodenschätzen haben Forscher unter dem Meeresboden auch etwas anderes gefunden: einen breiten Krater, der wahrscheinlich durch den Einschlag eines Himmelskörpers vor 60 bis 65 Millionen Jahren entstanden ist.

Der auf den Namen Silverpit - zu deutsch Silberloch - getaufte Krater zählt zu den besterhaltenen der Erde und hat einen Durchmesser von rund 20 Kilometern. In dieser Größenordnung sei die Bildung einer Bodenformation aus mehreren konzentrischen Ringen für irdische Verhältnisse ungewöhnlich, schreiben die Entdecker, Simon Stewart vom britischen Mineralölkonzern BP in Aberdeen und Philip Allen von der Firma Production Geoscience in Banchory, in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

Karte des Silverpit-Kraters: Gut erhaltene Ringstrukturen
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BP/ PGL

Karte des Silverpit-Kraters: Gut erhaltene Ringstrukturen

Der unter einer 300 bis 1500 Meter dicken Sedimentschicht begrabene und von tektonischen Prozessen verformte Krater liegt etwa 130 Kilometer östlich der Humber-Mündung. Von dem Gebiet waren bereits zu Beginn der neunziger Jahre seismische Daten für die Erdölsuche gesammelt worden. Aus diesen Informationen erstellten Stewart und Allen eine hochauflösende dreidimensionale Karte des Silverpit-Kraters. Damit liegt den Wissenschaftlern zufolge erstmals derart genaues Datenmaterial über eine Bodenstruktur dieses Typs vor.

Fast alle der rund 160 bekannten Einschlagkrater auf der Erde liegen an der Oberfläche und sind deshalb stark von Wind und Wetter sowie geologischen Vorgängen verwittert. Silverpit ist jedoch bald nach seiner Entstehung von Sedimenten der Tertiärzeit zudeckt worden, weshalb seine zahlreichen Ringstrukturen besonders gut erhalten sind. Bislang sei wenig über die Bildung solcher Krater bekannt, deshalb sei jedes neue Beispiel willkommen, schreibt John Spray von der kanadischen University of New Brunswick in einem "Nature"-Begleitkommentar.

Silverpit besteht aus einem zentralen, rund drei Kilometer großen Krater mit einer Erhebung in der Mitte. Um diese Region verlaufen mindestens zehn aufgeworfene Ringe, die einen Abstand von einigen hundert Metern haben und bis zu 50 Meter hoch sind. Die Erdnarben erinnern Stewart und Allen zufolge an Einschläge auf dem Jupitermond Callisto und das umfangreiche Ringsystem des Mare Orientale auf dem Erdmond. Diese Gebilde sind jedoch meist wesentlich größer.

Unterhalb des Kraters zeigen die Sedimentschichten keine auffälligen Störungen. Nach Ansicht der Autoren deutet dies darauf hin, dass Silverpit tatsächlich durch den Aufprall eines Himmelskörpers und nicht durch von unten wirkende geologische oder vulkanische Prozesse entstanden ist. Spray ist dagegen der Auffassung, dass noch eindeutige Beweise für den Einschlag fehlen. Um festzustellen, ob das Gestein die typischen mikroskopischen Deformationen aufweist, müssten daher weitere Proben aus dem Nordseeboden entnommen werden.

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