Für den König des Dschungels sind es gute Nachrichten, für das Klima möglicherweise schlechte. Im Regenwald am Amazonas haben die Lianen, favorisiertes Fortbewegungsmittel von Tarzan, stark zugenommen. In bestimmten Regionen gebe es fast doppelt so viele große Kletterpflanzen wie vor 20 Jahren, berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachmagazin "Nature".
Die Wissenschaftler um Oliver Phillips von der britischen University of Leeds haben mit Hilfe einheimischer Kollegen die Entwicklung des Regenwaldes an 47 Stellen in Nord- und Südperu, Bolivien und Ecuador überwacht. Zusätzlich berücksichtigten sie bereits publizierte Daten. Dabei fanden die Forscher, dass die Dichte der Lianen und die von ihnen beanspruchte Fläche in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen haben.
Warum immer mehr Baumparasiten den Regenwald besiedeln, ist noch unklar. Lianen erreichen nicht selten einen Durchmesser von 15 Zentimetern und Längen von mehr als 70 Metern. Die Kletterpflanzen bringen daher Äste zum Brechen und fangen das Sonnenlicht ab. Die befallenen Bäume wachsen deshalb langsamer oder gehen sogar ein.
Nach Meinung der Forscher könnte die starke Zunahme der Lianen zur Folge haben, dass tropische Wälder geringere Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid umwandeln können. Dadurch könnte sich ein Teufelskreis ergeben: Denn die Wissenschaftler spekulieren, dass gerade der steigende Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre die Kletterpflanzen wuchern lässt.
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