Hohe Konzentrationen von Treibhausgasen schwächen die Schädlingsabwehr der Bäume, haben Forscher entdeckt. Der häufige Befall mit Pilzen oder Insekten schränkt wiederum das Wachstum der Pflanzen ein, so dass sie auch weniger schädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen und in die Biomasse einlagern, berichtet das internationale Team im Fachmagazin "Nature".
Die Wissenschaftler um Kevin Percy vom Atlantic Forestry Centre im kanadischen Fredericton begasten über vier Jahre hinweg Amerikanische Zitterpappeln entweder mit Kohlendioxid (CO2), mit Ozon (O3) oder mit beiden gleichzeitig. Außerdem untersuchten die Forscher, wie stark die Bäume mit bestimmten Arten von Pilzen, Schmetterlingslarven und Blattläusen befallen waren.
Hohe CO2-Werte allein begünstigten das Wachstum der Bäume, eine hohe Ozonkonzentration hemmte es hingegen. Percy und Kollegen vermuten, dass der Anstieg der Treibhausgase die Zahl der Schädlinge beeinflusst und damit indirekt auch das Gedeihen der Pflanzen. Hohe Ozonwerte gingen demnach mit einem etwa vierfach erhöhten Pilzbefall einher.
Wie die Wissenschaftler feststellten, führten höhere Ozonkonzentration überdies zu einem verstärktem Wachstum der Schmetterlingslarven. Gut genährte Schmetterlinge zeugen jedoch mehr Nachwuchs. Die Forscher fürchten daher, dass Raupenplagen bei einem zukünftigen Anstieg der Ozonwerte deutlich stärkere Schäden hervorrufen könnten.
Das Team vermutet, dass die Treibhausgase die Qualität der Blätter und damit eine wichtige Abwehrbarriere gegen Schädlinge beeinträchtigen. Eine Analyse der Blätter zeigte zudem, dass darin bei hohen Konzentrationen von Treibhausgas mehr Kohlenwasserstoffe und Fettsäuren gebildet wurden, die Schädlinge anlocken.
Bei den Verhandlungen zum Klimaschutzprotokoll von Kyoto hatten sich die USA und andere Länder mit der Forderung durchgesetzt, ihre Verpflichtungen teilweise mit der Anpflanzung und dem Schutz von Bäumen zu erfüllen. Bäume absorbieren CO2 und speichern es, solange sie leben. Percy und Kollegen fürchten jedoch, dass dieser Effekt deutlich überschätzt werden könnte, weil die komplexen Wirkungen von Ozon und Kohlendioxid und ihr Einfluss auf Schädlinge nicht berücksichtigt werden.
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