• Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.06.2003
 

Stichling-Sex

Konkurrenz belebt das Geschlecht

Wenn sich ein Stichlingsmännchen beim Liebesspiel beobachtet fühlt, verströmt es deutlich mehr Samen. Die Vorsichtsmaßnahme konnten Bonner Zoologen mit Hilfe eines virtuellen Fisches nachweisen.

Stichlinge im Aquarium: "Ein harter Job"
Zur Großansicht
Frank Luerweg/ Uni Bonn

Stichlinge im Aquarium: "Ein harter Job"

Das Kinderkriegen ist für den Stichling eine anstrengende Sache: Zunächst muss er das Weibchen mit seinem roten Bauch betören, Tänze vollführen und ihren Schwanzansatz massieren. Wenn sie dann endlich in seinem Nest abgelaicht hat, kann er seinen Samen darüber ergießen - um kurz danach allein mit dem Nachwuchs zurückzubleiben.

Zwei Wochen lang muss der werdende Vater den Laich umhegen, ihm sauerstoffreiches Wasser zufächeln und abgestorbene Eier entfernen - "ein harter Job, der ihn rund zwei Drittel seiner Zeit kostet", wie der Zoologe Marc Zbinden weiß. Da kann es sich der Stichling nicht leisten, fremden Nachwuchs hochzupäppeln. Denn auch unter Fischen gibt es Nestbetrug: Rivalen versuchen, ihre Gene ohne lästige Aufzuchtarbeit weiterzugeben, indem sie Eier heimlich befruchten.

An der Universität Bonn hat Zbinden erforscht, wie männliche Stichlinge auf derlei Betrugsversuche reagieren. Der Schweizer Wissenschaftler, der mittlerweile an der Universität Fribourg arbeitet, konfrontierte die Fische vor dem Liebesspiel mit einem virtuellen Konkurrenten: einem computeranimierten Casanova, dessen Aussehen und Verhalten sich beliebig verändern ließ.

Mit dem Fisch-Fernsehen wurde den Vätern in spe einmal ein beschäftigter Stichlingspapi vorgegaukelt, ein anderes Mal schien ein balzender Nebenbuhler nur auf die Gelegenheit zu warten, seinen Samen dazuzugeben. Auf den mutmaßlichen Rivalen reagierten die Männchen mit erhöhtem Einsatz bei der anschließenden Paarung: Ihre Spermienzahl lag in diesem Fall, wie Zbinden und Kollegen im "Journal of Behavioral Ecology and Sociobiology" berichten, durchschnittlich um 75 Prozent höher.

Normalerweise haushalten die Männchen mit ihrem Samen, den sie nur im Herbst produzieren. Die Aussicht, ein Konkurrent könne sie um den Lohn ihrer Balz- und Aufzuchtmühen bringen, veranlasst sie jedoch zu einem verschwenderischeren Umgang. Letztendlich ist die Befruchtung eine Lotterie, philosophiert Zbinden: "Bei einer Verlosung hat auch derjenige die größten Erfolgsaussichten, der die meisten Lose kauft."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP