Fächerflügler zählen zu den bizarrsten Parasiten - und zu den vielseitigsten. Die Larven dieser seltsamen Insekten befallen die verschiedensten Opfer. In einer Familie der auch Strepsipteren genannten Schmarotzer haben sogar Männchen und Weibchen völlig unterschiedliche Vorlieben: Während Erstere in Ameisen leben, weiden sich Letztere an Grashüpfern, Grillen oder anderen Schrecken.
Ein Rätsel war bisher, wie es den Strepsipteren gelingt, der Immunreaktion so vieler Arten auszuweichen. Nun hat ein Team um Jeyaraney Kathirithamby von der University of Oxford die Lösung gefunden. Wie die Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, hüllen sich die Larven in einen Beutel aus der Haut ihrer Opfer - dadurch kann sie die Körperabwehr nicht mehr erkennen.
Kathirithamby und ihre Kollegen hatten Fächerflügler-Larven vor, während und nach dem Befall ihrer Wirtstiere studiert. Der Parasit rammt, wie die Forscher beobachten konnten, seinen Kopf gegen die Haut seines Opfers, bis er sich in dieses hineingraben kann. Direkt unter der Außenhülle windet sich die Larve so lange, bis sie aus der abgelösten Epidermis einen Kokon gewickelt hat.
DNS-Analysen zeigten, dass dieser Mantel tatsächlich aus Gewebe des Wirtstiers besteht. In den schaurigen Sack gehüllt, wandert der Eindringling tiefer in sein Opfer und nimmt durch die fremde Haut Nährstoffe auf. Dabei verhindert der Beutel eine Abstoßungsreaktion, weil er vom Immunsystem des Wirtes als eigenes Gewebe erkannt wird.
"Parasitoide haben eine Vielzahl von Strategien entwickelt, um sich vor der Immunreaktion ihrer Wirte zu schützen", erklärt Kathirithamby. "Der Tarnmechanismus der Strepsipteren ist bislang jedoch in keiner anderen Gruppe beobachtet worden." Die Zoologin sieht darin "eine weitere faszinierende Eigenschaft dieser einzigartigen Parasiten".
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