Alles, was nicht bei drei auf einer Koralle sitzt, wird mit Sperma bespritzt. So in etwa könnte es zugehen, wenn ein männlicher Riesenkalmar in mehreren Hundert Metern Tiefe auf Artgenossen trifft. Die seltenen Meeresbewohner paaren sich nämlich augenscheinlich auf Verdacht, wenn sie einem anderen Kalmar begegnen. Ob es sich dabei um ein Männchen oder Weibchen handelt, spielt offenbar keine Rolle, berichtet ein neuseeländisch-deutsches Forscherteam.
Als Grund für dieses Paarungsverhalten vermutet der deutsche Meeresforscher Volker Miske von der Universität Greifswald das seltene Vorkommen der Tiere. "Begegnungen in den ewig dunklen Meerestiefen von 300 bis 1000 Meter sind sehr selten", sagte er. Deshalb nutzten männliche Kalmare möglicherweise die Gelegenheit, einem Artgenossen ihre Spermien zu injizieren - egal, ob Männchen oder Weibchen.
Mit der Penisspitze setzen sie dafür bis zu zehn Zentimeter lange Spermienbehälter unter die Haut ihres Gegenübers. Miske und sein neuseeländischer Kollege Steve OShea hatten bei einem männlichen Meeresriesen solche Spermienbehälter entdeckt. Die Forscher gehen davon aus, dass sie von einem anderen Männchen stammen. Kalmare könnten sich bei der Paarung zwar versehentlich "in den eigenen Fuß geschossen haben", wie Miske erklärt. Dies schließt der Forscher im konkreten Fall jedoch aus, denn die gefundenen Spermienbehälter liegen außerhalb der Penis-Reichweite des Tieres.
Die Zoologen um Miske präparieren das Kalmarmännchen derzeit im Stralsunder Meeresmuseum. Das rund sechs Meter lange Exemplar war neuseeländischen Fischern im August 2003 als Beifang ins Netz gegangen. Mit einer Länge von bis zu 18 Metern sind Riesenkalmare die größten bekannten Weichtiere. Das präparierte Tier soll ab Juli im Museum zu sehen sein - in einem sechs Meter großen Spezialbehälter.
Bislang konnten Forscher laut Miske noch nie einen lebenden Kalmar in seinem natürlichen Lebensraum beobachten. Weltweit existieren rund 200 wissenschaftliche Nachweise. Etwa 20 Tiere seien in einem so guten Zustand erhalten, dass sie in Museen präsentiert werden könnten, erklärt der Stralsunder Meeresbiologe Götz Reinicke.
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