Nilpferde schwitzen Blut, hieß es in antiken Mythen. Ein doppeltes Fehlurteil: Was aus den Poren der kleinohrigen Kolosse nach außen dringt, ist weder Blut noch Schweiß im strengen Sinne - sondern eine Mixtur mit zwei Pigmenten, die als Sonnenschutz und Antibiotikum wirken.
Japanische Forscher konnten dem zähflüssigen Schleim erst nach einer Mutprobe sein Geheimnis entreißen: Mit Gazeschwämmen rubbelten sie den Nilpferden im Tokioter Zoo das schleimige Sekret aus Gesicht und Rücken - ein riskantes Unterfangen, denn die betulich wirkenden Nilpferde sind berüchtigt für ihre eng begrenzte Geduld.
Die gefährliche Aktion aber hat sich gelohnt: Im Nilpferdschweiß, schreibt das Team um Kimiko Hashimoto von der Pharmazeutischen Universität Tokio im Wissenschaftsblatt "Nature" (Bd. 429, S. 363), befindet sich ein orangenes und ein rotes Pigment.
Bei der chemischen Analyse stellte sich heraus, dass die Mixtur, die erst farblos ist und sich binnen Minuten rot und später braun färbt, vor schädlicher ultravioletter Strahlung schützt. Das rote Pigment wirkt darüber hinaus antibakteriell und hemmt das Wachstum von Krankheitserregern wie Pseudomonas aeruginosa und Klebsiella pneumoniae. Obwohl das Drüsensekret der Nilpferde streng genommen kein richtiger Schweiß ist, reguliert es auch die Körpertemperatur.
Für Nilpferde ist die Body-Lotion überaus praktisch: Ein Fell würde den rundlichen Riesen zwar ein reizendes Äußeres verleihen, wäre aber als Sonnenschutz unpraktisch, da Nilpferde nach ihren nächtlichen Fressorgien die meiste Zeit des Tages verdauend im Wasser verbringen. Die antibakterielle Wirkung des Sekrets ist außerdem segensreich angesichts der Wunden, die sich die Tiere bei ihren häufigen Kämpfen gegenseitig beibringen.
Ob die Hippo-Sonnenlotion auch unter Menschen Mode wird, bleibt fraglich. Denn die Pigmente, so die Forscher, sind höchst instabil. Außerdem bleibe ihre Farbe nur durch noch unbekannte Faktoren im Schleim erhalten. Und über dessen Geruch schweigen die Wissenschaftler beredt.
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