Montag, 23. November 2009

Wissenschaft



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28.05.2004
 

Klimawandel

Irdische Wolken erleuchten den Mond

Selbst am Mond geht der irdische Klimawandel nicht spurlos vorbei. Auf dem Trabanten wird es immer heller - selbst dort, wo keine Sonne scheint. Der Grund: Immer mehr Wolken verdunkeln die Erdoberfläche und werfen das Sonnenlicht ins All zurück.

Mond: Von der Erde wird immer mehr Licht reflektiert
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DPA

Mond: Von der Erde wird immer mehr Licht reflektiert

"Eigentlich gibt es gar keine dunkle Seite des Mondes", wusste die legendäre Pop-Gruppe Pink Floyd bereits im Jahr 1973 zu berichten. Nur um hinzuzufügen: "In Wirklichkeit ist dort alles dunkel." Eine gewagte Aussage, die heute unzutreffender denn erscheint, wie US-Forscher nun herausgefunden haben. Im Fachmagazin "Science" berichten die Wissenschaftler, dass selbst der dunkle, nicht von der Sonne beleuchtete Teil des Mondes zuletzt deutlich heller geworden ist - eine Folge zunehmender Lichtreflexionen durch die Erdatmosphäre.

Der so genannte "Earthshine" - das von der Erde reflektierte Sonnenlicht, das vom Mond zurückgeworfen wird - gibt Wissenschaftlern wichtige Informationen über die Wolkenverhältnisse in der Erdatmosphäre und damit über den Klimawandel. Durch die Messung des Helligkeitsunterschieds zwischen dem dunklen und dem von der Sonne beleuchteten Teil der Mondscheibe können die Forscher zudem auf die Gesamtstärke der irdischen Lichtabstrahlung schließen.

Abstrahlung nimmt seit drei Jahren zu

Acht Jahre lang hat Enric Pallé vom New Jersey Institute of Technology zusammen mit seinen Kollegen den Mond beobachtet, bis zu 20 Jahre alte Satellitenaufnahmen der Wolkendecke werteten die Forscher aus. Dabei entdeckten sie, dass das von der Erde in den Weltraum reflektierte Licht bis Ende der neunziger Jahre stark abnahm.

Weniger Abstrahlung bedeutet eine stärkere Erwärmung des Erdbodens. Und so erhitzte sich der Globus im letzten Jahrzehnt deutlich schneller, als es allein durch den Treibhauseffekt der Fall gewesen wäre, berichten die Wissenschaftler. Gleichzeitig erschien die Erde aus dem Weltall so dunkel wie seit langem nicht mehr - bis zur Jahrtausendwende.

Doch dann kam der große Umschwung: In den vergangenen drei Jahren nahm die Abstrahlung der Erde, wie die Forscher beim Vergleich des hellen und des dunklen Teils der Mondes mit dem Big Bear Solar Observatory in Kalifornien feststellten, wieder deutlich zu. Offensichtlich hat die Zahl der Wolken in der Erdatmosphäre zuletzt schnell zugenommen. Warum, bleibt offen.

Messungen auf dem gesamten Globus

"Unsere Ergebnisse erzählen leider nur einen Teil der Geschichte", sagt Pallé. Denn das Gleichgewicht zwischen dem einfallenden Sonnenlicht, das die Erde beständig wärmt, und der in den Weltraum zurückgestrahlten Energie ist delikat. Neben den Reflexionen durch Wolken und Erdoberfläche spielen beispielsweise auch Wasserdampf, Kohlendioxid und Methan in der Atmosphäre eine große Rolle. "Jedenfalls zeigen unsere neuen Daten, wie wichtig die korrekte Berücksichtigung der Wolken ist", so Pallé, "und wie wenig wir noch immer über unser Klimasystem wissen." Zu wenig, um verlässliche Vorhersagen zu machen.

Die US-Forscher wollen deshalb auch in Zukunft in den Mond blicken und Spuren irdischer Reflexionen suchen. Zudem sollen die so gewonnenen Informationen mit neuen Satellitendaten abgeglichen werden. Dadurch erhoffen sich die Wissenschaftler eine Antwort auf die Frage, warum der "Earthshine" überhaupt so stark schwankt: durch den von Menschenhand verursachten Klimawandel, durch natürliche Veränderungen oder vielleicht sogar durch den elfjährigen Zyklus der Sonnenflecken?

Um nicht von lokalen Klimafaktoren und schlechtem Wetter abhängig zu sein, sollen die Messungen über den ganzen Globus gestreut und möglichst automatisiert werden. Der erste Prototyp eines selbstständig arbeitenden Fernrohrs wird bereits gebaut; acht weitere Roboterteleskope sollen folgen - verteilt über die gesamte Erde.

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