1986 hat die Internationale Walfangkommission (IWC) die Jagd zu kommerziellen Zwecken verboten, und seitdem hat Japan zusammen mit Island, Norwegen und Kanada das Moratorium immer wieder angegriffen - oder aber die erlaubte Jagd zu wissenschaftlichen Zwecken großzügig ausgelegt. Auf der mit Spannung erwarteten 56. Konferenz der IWC, die derzeit im italienischen Sorrent stattfindet, sorgt das rabiate japanische Drängen auf eine Freigabe des kommerziellen Walfangs nun für Ärger.
Umweltschutzorganisationen beschuldigen die Regierung in Tokio, Stimmen von Entwicklungsländern zu kaufen, um unter den IWC-Mitgliedstaaten eine Mehrheit für die Aufhebung des Jagdverbots zu erreichen. Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) erklärte, kurz vor dem Treffen seien die Elfenbeinküste, Mauretanien, Surinam und Tuvalu der Walfangkommission beigetreten - und wollten für Japan stimmen. Als Belohnung verteile Japan seit Jahren millionenschwere Fischerei- und Entwicklungshilfe.
"Würde Japan mit seinem Stimmenkauf aufhören, gäbe es eine große Mehrheit für den Walschutz", sagte IFAW-Direktor Fred O'Regan. Der italienische Regierungsdelegierte Sauro Turroni sprach gar von japanischem "Stimmen-Shopping".
Auch der Worldwide Fund for Nature (WWF) warf Japan vor, Entwicklungshilfe einzusetzen, um die Stimmabgabe zu manipulieren. Deswegen sei der Pro-Walfang-Block zuletzt beständig gewachsen: von neun Ländern im Jahr 2000 auf 21 im Jahr 2003. In diesem Jahr werden voraussichtlich 27 Länder für den Walfang stimmen. "Es wird Zeit, dass wir den anhaltenden Stimmenkauf unterbinden, bevor es zu spät ist", erklärte John Frizell von Greenpeace International.
Zwergwal: Japan will rund 2900 Tiere erlegen
Zur Aufhebung des 1986 eingeführten Moratoriums ist eine Dreiviertel-Mehrheit nötig. Kritiker halten Japans Vorgehen deshalb für ein taktisches Manöver, um seinen Ausstieg aus der Walfangkommission vorzubereiten. "Japan weiß sehr gut, dass die Kommission seine Forderung ablehnen wird", zitiert die britische BBC einen Delegierten. Tokio wolle auf diese Weise zeigen, "dass die IWC nicht funktioniert und Japan einen Grund für einen Ausstieg bekommt".
In seiner Eröffnungsrede in Sorrent sagte der japanische Delegationsleiter Minoru Morimoto, die IWC sei zum Schutz des Walfangs und nicht der Wale gegründet worden. "Die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs wird die künftige Existenz der IWC rechtfertigen", drohte Morimoto indirekt. Japan will demnächst rund 2900 Zwergwale erlegen, was rund fünfmal so viel wäre wie die bisherige Fangquote zu wissenschaftlichen Zwecken. Die Zahl entspricht laut Tokio nur einem winzigen Teil der Zwergwal-Population, die 1990 von der IWC auf 760.000 Tiere beziffert worden sei. Aktuellere Zahlen liegen jedoch nicht vor und werden von der Walfangkommission derzeit erst vorbereitet.
Eine erste Niederlage musste Japan bereits einstecken. Das Land beantragte eine geheime Abstimmung über die Freigabe des kommerziellen Walfangs - angeblich, um die kleineren Länder vor dem Druck der großen Anti-Walfang-Nationen zu schützen. Der Antrag wurde allerdings mit 29 zu 24 Stimmen abgelehnt.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH