Pferderennen sind in Großbritannien äußerst beliebt, in erster Linie wegen der Wetten. Tausende Briten spekulieren an jedem Renntag aufs Neue, welches Pferd diesmal die Nase vorn haben wird. Wertvolle Tipps könnten ihnen dabei auch Wissenschaftler vom Royal Veterinary College in Hertfordshire geben, die ergründet haben, was ein siegreiches Pferd auszeichnet.
Bei der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis ging das Team von Alan Wilson bis ins 18. Jahrhundert zurück. Damals holte der legendäre Hengst Eclipse eine Trophäe nach der anderen - und blieb zeitlebens unbesiegt. Das Wunderpferd taucht im Stammbaum von bis zu 80 Prozent aller heute aktiven Spitzenrennpferde auf, behauptet das britische Institut.
Die Forscher verglichen Portraits von Eclipse mit Fotos und Videoaufnahmen heutiger Rennpferde. Sie untersuchten Länge und Statur der Tiere sowie die Struktur von Sehnen, Knochen und Muskeln und kombinierten dies mit Bewegungsanalysen auf dem Laufband. Mit diversen Infrarot-Markern bestückte Pferde mussten dort bei verschiedenen Geschwindigkeiten laufen, während Sensoren die Bewegungskoordinaten der Marker aufzeichneten.
Eclipse feierte bei dieser Gelegenheit als Computermodell seine Auferstehung - zwar nicht in Gänze, aber immerhin wurde eines seiner Vorderbeine wieder lebendig. Die Wissenschaftler scannten die Knochen des Beins mit einem Computertomografen, um es anschließend bei Simulationen zu untersuchen. Das Skelett von Eclipse ist seit über 200 Jahren im Royal Veterinary College ausgestellt.
Das verblüffende Ergebnis der Analysen: Eclipse rannte deshalb so schnell, weil er so durchschnittlich gebaut war. "Die Statur von Eclipse und alles an ihm scheint genau in der Mitte der normalen Bandbreite zu liegen", sagte Wilson. Offenbar träfen bei ihm alle Faktoren für hohe Geschwindigkeit zusammen.
Pferde sind wahre Balancierkünstler, wenn sie mit vollem Tempo galoppieren. Jedes Bein befindet sich dann, zeitlich gesehen, zu 80 Prozent in der Luft. Dies begrenzt auch die erreichbare Höchstgeschwindigkeit.
"Ein Pferdebein gleicht einem Springstock", sagte Forscher Wilson. Es nutze die in Muskeln und Sehnen gespeicherte Energie, um den ganzen Körper nach vorn und nach oben zu katapultieren. "Wir haben herausgefunden, dass die Steifheit eines Beins das Tempo beschränkt, mit der das Pferd die Kraft auf den Boden übertragen kann, und gleichzeitig das Verletzungsrisiko erhöht."
Das Forscherteam stellte außerdem fest, dass gute Rennpferde ihre Beine besonders schnell nach vorn bewegen, um den nächsten Schritt vorzubereiten. Große, langbeinige Pferde täten das weniger schnell als kleinere Artgenossen - und könnten daher weniger hohe Geschwindigkeiten erreichen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH