Freiburg - Die Zahl der Nachbeben könnte in die Hunderte gehen, glauben Experten. Stärke und Dauer der Erschütterungen ließen sich nicht vorhersagen, sagte der Leiter des Erdbebendienstes in Freiburg, Wolfgang Brüstle. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die kommenden Erdstöße ähnlich heftig ausfallen wie das Beben am frühen Sonntagmorgen, das mit der Stärke 5,4 auf der Richterskala Gebäude beschädigt hat.
"Die meisten Beben werden vom Menschen nicht wahrgenommen", sagte Brüstle. Wegen der in Deutschland geltenden Baunormen sei mit größeren Schäden nicht zu rechnen. Grundsätzlich müsse sich Baden-Württemberg in den kommenden Jahren auf spürbare Erdstöße einrichten. Der Südwesten sei die Region in Deutschland mit der größten Erdbebengefahr. Der Oberrhein gehöre zu den seismisch aktivsten Zonen Deutschlands.
Gemeinsam mit Experten des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ) begannen die Mitarbeiter des Landesamtes für Geologie am Montag rund um das Epizentrum bei der Kleinstadt Waldkirch mit der Ursachenforschung. In einem Umkreis von 20 Kilometern wurden 13 Seismografen errichtet. "Die Messungen sind für uns existenziell wichtig für das Verstehen der Prozesse am Rheintalgraben und für die künftige Gefährdungseinschätzung", sagte GFZ-Geophysiker Birger Lühr.
Die Daten sollen Aufschluss über die Größe des beim Erdbeben vom Sonntag gebrochenen Bereichs sowie die Tiefe des Erdstoßes geben. Lühr glaubt, dass die Menschen in der Region in den nächsten Tagen und Wochen mit Nachbeben bis zu einer Stärke von 4,4 rechnen müssen. "Die Bodenerschütterungen werden aber kontinuierlich abebben."
Bis die Erde ganz zur Ruhe komme, könnten laut Lühr zwei bis drei Monate vergehen. Bis Montagvormittag waren in Südbaden Hunderte kleiner Nachbeben gemessen worden. Die meisten seien aber nicht spürbar, sagte Erdbebendienst-Leiter Brüstle.
Der regionale Energieversorger Badenova hat angekündigt, nach dem Erdbeben vorsichtshalber 20 Prozent des Erdgasnetzes zu überprüfen. Schäden an dem 8000 Kilometer langen Gasnetz seien nicht bekannt, könnten aber nicht ausgeschlossen werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte, alle sicherheitsrelevanten Bauten und Industrieanlagen am Oberrhein nach dem Beben auf ihre Standfestigkeit zu überprüfen.
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