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16.12.2004
 

Klimawandel

Wissenschaftler fürchten plötzlichen Kälteschock

Vor 5200 Jahren erlebte die Erde einen plötzlichen Kälteeinbruch. Dies belegen Eisproben, die US-Forscher jetzt untersucht haben. Sie befürchten, dass sich ähnlich drastische Klimaveränderungen schon bald wiederholen könnten.

Eisberg in der Antarktis: Kälteschocks wie vor 5200 Jahren
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Science

Eisberg in der Antarktis: Kälteschocks wie vor 5200 Jahren

Lonnie Thompson ist Glaziologe, Experte für Gletscher. Allein wegen seiner täglichen Forschungsarbeit müsste er sich permanent Sorgen machen, denn die Gletscher weltweit schmelzen immer schneller. Doch es ist nicht das Verschwinden der Eismassen allein, das Thompson beschäftigt.

Bei Bohrungen in Tausende Jahre alten Eismassen stellte der Wissenschaftler von der Ohio State University fest, dass die Erde vor rund 5200 Jahren einen dramatischen Kälteeinbruch erlebt haben muss. Offenbar handelte sich dabei nicht um eine Eiszeit. Die letzte Eiszeit begann vor mehr als 100.000 Jahren und erreichte vor 21.000 Jahren ihren Höhepunkt.

Thompson und seine Kollegen hatten im Lauf der Jahre an vielen Gletschern weltweit Bohrungen durchgeführt und die Proben im Labor analysiert. Eingeschlossen im Eis entdeckten sie Pflanzenreste, deren Alter sich mit der Radiokarbon-Methode sehr leicht bestimmen lässt.

Der akribische Vergleich der vielen Proben von verschiedenen Orten der Welt ließ für Thompson keinen anderen Schluss zu: Das Erdklima könne sich binnen kurzer Zeit drastisch verändern, wie der Forscher auf der Jahrestagung der American Geophysical Union in San Francisco sagte.

Kilimandscharo: "Damals muss etwas passiert sein, das monumental war"
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DPA

Kilimandscharo: "Damals muss etwas passiert sein, das monumental war"

Der letzten dramatische Klimawandel soll laut Thompson vor 5200 Jahren stattgefunden haben. Genauso alt sind Pflanzenreste, die der Forscher im Eis eines Gletschers in den peruanischen Anden entdeckte. Auch Analysen von Eis des Kilimandscharo in Ostafrika deuten auf einen Klimawandel vor 5200 Jahren hin. Die Forscher hatten zwei Sauerstoffisotope im Eis untersucht, deren Verhältnis zueinander einen Indikator für die damals herrschenden Temperaturen bildet.

Auch den Wandel der Sahara von einer belebten Region zu einer lebensfeindlichen Wüste datiert Thompson in die Zeit vor 5200 Jahren. Auffällig niedrige Methankonzentrationen im Eis von Antarktis und Grönland ermittelte der Glaziologe ebenfalls für diesen Zeitraum.

"Damals muss etwas passiert sein, das monumental war", sagte Thompson. Er glaubt, dass eine starke Schwankung der Sonnenenergie, die die Erde erreicht hat, den Kälteschock verursacht hat. Ähnlich erklären sich Wissenschaftler auch die so genannte kleine Eiszeit von 1450 bis 1850, die mit einer Periode verringerter Sonnenaktivität und verstärktem Vulkanismus zusammenfiel.

"Ähnliche Klimaänderungen spielen sich heute ab", sagte Thompson. Die Folgen eines Kälteschocks wie vor 5200 Jahren wären für die heutige Welt katastrophal. Sieben Prozent der Menschheit leben in tropischen Regionen und wären am stärksten davon betroffen.

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