Aus Dzanga Bai berichtet Dominik Baur

Elefanten im Nebel: Tierart voller Geheimnisse
Eine wichtige Erkenntnis erlangten Turkalo und ein Kollege, als sie in den neunziger Jahren einigen der Elefanten mit einem Spezialgewehr Hautproben für einen DNA-Test entnahmen. Der genetische Vergleich mit Savannenelefanten brachte schließlich eine jahrelange wissenschaftliche Debatte zu einem Ende: Waldelefanten, das war nun belegt, sind eine eigene Art.
In jüngerer Vergangenheit beschäftigt sich die von der New Yorker Wildlife Conservation Society (WCS) finanzierte Forscherin besonders mit der akustischen Kommunikation der Elefanten. Mittels eines großen Lauschangriffes will sie das Vokabular der Elefanten entschlüsseln. Zwei Monate lang hat sie rund um die Lichtung Boxen mit einem Aufnahmegerät und einer Festplatte aufgestellt und so die gesamten "Unterhaltungen" der Elefanten in der Gegend mitgeschnitten.
Auftritt Paloma. Die rund 40 Jahre alte Elefantenkuh schiebt ihren riesigen Leib zwischen zwei Bäumen hindurch. Ihr folgen zwei Töchter und ein Enkelsohn. Am Waldrand bleiben sie zunächst stehen und sichten die Lage - das heißt vielmehr: Sie nehmen mit dem Rüssel Witterung auf. Denn Elefanten sehen sehr schlecht. Die Luft scheint rein zu sein. Langsam schiebt sich die Familie vor, bis sie ein Wasserloch in der Mitte der Lichtung erreicht. Da der Rüssel eines erwachsenen Elefanten 10 bis 15 Liter aufnehmen kann, dauert es etwas, bis Paloma die Nase voll hat. Danach wird der Erfrischungstrunk genussvoll den Schlund hinunter gespült. "Sie ähneln uns so sehr", sagt Turkalo. "Wenn sie das Wasser ansaugen, sehen sie manchmal aus, als ob sie einen guten Wein kosten."
Wenige Meter von der Aussichtsplattform entfernt steht ein kleiner, am ganzen Körper mit Lehm beschmierter Elefant. Er ist, wenn es hoch kommt, 1,50 Meter groß, hat aber schon ziemlich lange Stoßzähne und sieht auch sonst nicht allzu jung aus. Ein Zwergelefant?
"Unsinn!", lacht Andrea Turkalo. "Das ist ein alter Mythos. Es gibt keine Zwergelefanten." In der Tat war lange Zeit darüber spekuliert worden, ob es in Afrikas Wäldern noch eine weitere Elefantenart gibt, die sich in ihrer Körpergröße vollkommen an das Leben im Wald angepasst haben. Denn kleine Elefanten wie Stumpy sind keine Seltenheit. Doch das Phänomen ist leicht erklärt: Waldelefanten können schon mit anderthalb bis zwei Jahren auf sich gestellt überleben, erläutert die Expertin. "Das Kalb muss nur wissen, wie es den Rüssel benutzt und welche Früchte essbar sind und welche nicht."
In der Savanne hätte ein Elefantenjunges, das in diesem Alter seine Mutter verliert, keine Überlebenschance. Es würde von Löwen oder anderen Raubtieren gerissen, doch hier im Wald gibt es nur Leoparden, und die können Elefanten nicht gefährlich werden. Dazu kommt, dass junge Waldelefanten oft ziemlich lange Stoßzähne haben. So kam es, dass Menschen Elefanten gesehen haben, die klein waren, lange Stoßzähne hatten und allein durch den Wald streiften. Die Legende vom Zwergelefanten war geboren. "Aber wie kommt es dann", fragt Turkalo, "dass nie jemand eine Familie von Zwergelefanten gesehen hat?"
Ungefährlich ist das Leben für verwaiste Elefantenkinder jedoch auch im Wald nicht. Der vermutlich sechs- oder siebenjährige Stumpy hat bereits seine Erfahrungen mit Wilderern gemacht. Mit seinem Rüssel hat er sich einst in einer von ihnen ausgelegten Drahtschlinge verfangen. Jetzt fehlt ihm die Rüsselspitze - ein Stück von mehreren Zentimetern. Und so liefert er unfreiwillig immer wieder Slapstickeinlagen für Andreas Seifenopfer: Wenn er an das Salz am Grund der Wasserlöcher kommen möchte, muss Stumpy nämlich wegen seiner Behinderung Handstand machen.
Die Dzanga-Bai-Story ist keine Serie, die nur auf ein paar Staffeln ausgelegt ist. Es ist eine jener Soaps, die immer weiter gehen. Die Geschichten gehen nie aus - solange die Darsteller noch leben.
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