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Verrutschte Inseln Landkarten müssen überprüft werden

Das Seebeben im Indischen Ozean war derart kraftvoll, dass es Inseln und Küsten verschoben haben könnte. Landvermesser prüfen nun, ob die Weltkarten neu gezeichnet werden müssen.

 Überflutete Insel: Auch bei Car Island in den Nikobaren könnte sich die Küste verschoben haben
AFP

Überflutete Insel: Auch bei Car Island in den Nikobaren könnte sich die Küste verschoben haben

"Der Hügel bei meinem Haus ist auseinander gebrochen", sagt Masen Rao von der Hut-Bay-Insel im indischen Andamanen-Archipel. "Es öffnete sich eine große Spalte, in der jetzt noch Menschen Deckung und Unterschlupf suchen." Die Heimatregion des 65-jährigen Maurers dürfte von dem Erdbeben und der Welle am nachhaltigsten verändert worden sein. Vom indischen Festland aus sind jetzt Kartografen und Vermessungsexperten aufgebrochen, um die Inseln zu untersuchen.

Augenzeugen berichten von massiven Eingriffen in die Geografie der zu Indien gehörenden Andamanen- und Nikobaren-Gruppe. Anil Thapliyal, ein Kommandant der indischen Küstenwache, stellte nach einem Flug über die Region fest, dass mehrere Inseln in Teile zerbrochen sind und vorher versunkene Korallenriffe nun über die Wellen ragen. "Die Sentinel-Insel scheint völlig verrutscht zu sein, auf der einen Seite liegt sie jetzt unter Wasser, auf der anderen Seite ist Land aufgetaucht."

Die Indira-Spitze, der südlichste Punkt des indischen Territoriums und nur wenige hundert Kilometer von Sumatra entfernt, ist völlig verschwunden. Auch Samir Acharya, ein führender Umweltschützer auf den Andamanen, vermutete, dass sich die Küste der Inseln verändert hat, blieb aber vorsichtig: "Was wir momentan bekommen, sind Panik-Berichte. Wir müssen die Ergebnisse der Vermessungen abwarten."

Rund um die Inselketten gibt es feste Vermessungspunkte, meist massive Betonstrukturen. An all diesen Landmarken werden die indischen Vermesser Längen- und Breitengrade sowie die Höhe über dem Meeresspiegel bestimmen und mit früheren Werten vergleichen. Noch in diesem Monat soll ein vorläufiger Bericht der Ergebnisse veröffentlicht werden.

In Indonesien rechnen Forscher mit weniger langfristigen Veränderungen. Cecep Subarya von der Indonesischen Agentur für Vermessung und Kartografie sagte der Nachrichtenagentur AP, dass weder neue Inseln aufgetaucht seien noch bekannte Eilande untergingen. Auch die Küstenlinie Sumatras sei wahrscheinlich unverändert.

Allerdings habe man festgestellt, dass die gesamte Insel nach dem Beben einige Zentimeter in westlicher Richtung verrutscht ist. Jüngste Messungen hätten dann gezeigt, dass Sumatra während der vergangenen Woche wieder in die alte Position zurückgeglitten ist.

Die derzeit noch auf Luftaufnahmen aus Sumatra und anderen Tsunami-Regionen sichtbaren Überflutungen seien nach Meinung vieler Experten nicht von Dauer. Das Wasser werde sich wahrscheinlich zurückziehen und keinen Einfluss auf die Geografie nehmen. Cecep Subarya wird jetzt mit seinen Kollegen Vermessungen auf Sumatra durchführen und rechnet in etwa drei Wochen mit klaren Ergebnissen. "Wenn sich die Landschaft hier verformt hat, dann nur um wenige Zentimeter", sagte er voraus.

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