Potsdam - Das Angebot der Bundesregierung zum Aufbau eines Tsunami-Warnsystems im Indischen Ozean kommt in Südostasien gut an. Am Wochenende hat sich Indonesien für das am Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) entwickelte System entschieden.
Auch Malaysia ist interessiert. Der Botschafter des Landes habe sich bei einem Treffen intensiv über die Technik informiert, sagte der Leiter des GFZ, Rolf Emmermann, am Montag. Sie lasse sich gut mit den bestehenden Warneinrichtungen in Malaysia verbinden.
"Dies könnte einen Domino-Effekt nach sich ziehen." Emmermann hofft, auch Sri Lanka von dem im GFZ entwickelten System überzeugen zu können. Ein gewichtiges Argument lieferte ihm die Bundesregierung, die nach der verheerenden Flutwelle erklärt hatte, das Warnsystem aus Mitteln der Katastrophenhilfe zu finanzieren. Mit anderen Worten: Das deutsche Tsunami-Warnsystem gibt's geschenkt.
Mehr als fünf Wochen nach der Flutkatastrophe stieg die Zahl der Toten oder Vermissten im Norden der Insel Sumatra auf fast 236.000. Insgesamt wurden aus der Krisenregion bislang rund 280.000 Todesopfer gemeldet.
Bereits im Herbst soll mit dem Aufbau des Potsdamer Warnsystems in Indonesien begonnen werden. Das deutsche Forschungsschiff "Sonne" sei schon einsatzbereit in der Krisenregion, unterstrich Emmermann. Das Grundgerüst des Warnsystems könne dann bereits zum Jahresende funktionieren.
Im Gegensatz zum existierenden amerikanischen System im Pazifik könne das deutsche mit Hilfe von Bojen Erschütterungen direkt auf dem Wasser feststellen, erklärte Emmermann. "Sie können millimetergenau messen, wie sich die Boje bewegt." Die Gefahr eines Fehlalarms sei deutlich geringer.
Ein Frühwarnsystem für den gesamten Indischen Ozean wird laut Emmermann rund 45 Millionen Euro kosten. Ein Großteil davon entfalle auf die Installation in Indonesien. Die Bundesregierung erwäge, dies aus den Mitteln zu finanzieren, die ohnehin als Katastrophenhilfe für die Region vorgesehen sind.
Im Forschungsministerium geht man davon aus, dass der Vertrag mit Indonesien schon bald unterzeichnet wird, etwa auf einer Konferenz in Jakarta vom 14. bis 18. März, an der Ministerin Edelgard Bulmahn teilnimmt. Ministeriumssprecher Peter Ziegler wertete die Entscheidung Indonesiens als großen Erfolg für das GFZ. Das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem sei flexibel und dezentral, außerdem könne es wegen seiner modularen Bauweise mit anderen Technologien zusammenarbeiten. Bereits auf der UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge im japanischen Kobe, die am 22. Januar endete, hätten alle Teilnehmer die Vorteile des deutschen Systems anerkannt.
Vor allem US-Wissenschaftler hatten jedoch Zweifel geäußert, ob es deutschen Forschern gelingen werde, in vergleichsweise kurzer Zeit ein funktionierendes Warnsystem aufzubauen. Die Ozeanografin Marie Eble warnte vor den ehrgeizigen Zeitplänen der Deutschen: "Wer immer das versucht", sagte die Forscherin, "ich wünsche ihm viel Glück."
Im Pazifik wurde über Jahrzehnte an einem zuverlässigen Warnsystem getüftelt. Amerikanische Wissenschaftler hatten 1984 die ersten Drucksensoren auf dem Grund des Pazifiks installiert, die Bojen folgten ab 1992. "Wir haben acht Jahre lang an der Entwicklung der Echtzeit-Messung gearbeitet", sagte Eble SPIEGEL ONLINE. In der Zwischenzeit brachten wiederholte Fehlalarme die Forschung an den gefährdeten Pazifikküsten in Misskredit.
Erst ein Seebeben im November 2003 ermöglichte einen vertrauensbildenden Erfolg. "Die ersten Daten lagen zwei bis drei Minuten nach dem Beben auf unserem Schreibtisch", sagte Eble. Die Wissenschaftler analysierten die Zahlenkolonnen und gaben für Hawaii Entwarnung. Die Siedlungen an der Küste wurden nicht evakuiert, der Tsunami blieb aus.
Ob das deutsche System ähnlich zuverlässig funktioniert, muss es erst noch beweisen.
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