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12.02.2005
 

Fettige Verschmutzung

Wale haben Brandschutz im Blut

Im Tran von Walen haben Forscher natürliche Stoffe entdeckt, die Flammschutzmitteln überraschend ähnlich sind. Die von Menschen gemachte Variante der gesundheitsschädlichen Stoffe war zuvor bereits in Muttermilch entdeckt worden.

Wal:"Natürliche Verschmutzung" im Blut
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DPA

Wal:"Natürliche Verschmutzung" im Blut

Eigentlich sollen sie verhindern, dass sich elektronische Geräte von selbst entzünden. Doch Flammschutzmittel, die unter anderem in Computerchips und Fernsehgehäusen zu finden sind, tauchen mittlerweile fast überall auf: in der Atemluft, im Wasser und zuletzt sogar in der menschlichen Muttermilch. Nach Einschätzungen schwedischer Forscher verdoppelt sich alle fünf Jahre die Konzentration der feuerhemmenden Stoffe in der Muttermilch. Größtes Problem sind die so genannten bromierten Flammschutzmittel: Sie entweichen bereits bei Zimmertemperatur aus den Platinen und werden nur langsam durch ungefährlichere Alternativen ersetzt.

Selbst in Delfinen, Robben und Pottwalen, die normalerweise in Meerestiefen von mehr als 1000 Metern leben, haben Wissenschaftler zuletzt die verdächtigen Substanzen entdeckt. Doch auch wenn deren Molekülstrukturen den von Menschenhand gemachten Flammschutzmitteln stark ähneln, dürften die bei Walen gefundenen Stoffe natürlichen Ursprungs sein. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen US-Chemiker, die ihre neuen Erkenntnisse jetzt im Fachmagazin "Science" veröffentlicht haben.

Das Team um Emma Teuten von der Woods Hole Oceanographic Institution im US-Bundesstaat Massachusetts hat dazu das Fettgewebe der bis zu fünf Meter langen True-Wale aus dem Nordatlantik untersucht. Dabei stießen die Forscher in der Tat auf zwei Substanzen, die der chemischen Struktur bromierter Flammschutzmittel sehr ähnlich waren. Zwar wiesen die im Tran entdeckten Verunreinigungen eine chemische Gruppe mehr auf als die industriell hergestellten Stoffe. Dieser Zuwachs könnte aber auch durch normale Reaktionen in der Atmosphäre zustande gekommen sein.

Teuten und Kollegen konzentrierten sich daher auf die in den Substanzen enthaltenen Kohlenstoffatome. Deren Altersbestimmung zeigte, dass der Kohlenstoffanteil erst vor kurzem durch Photosynthese in den Ozeanen entstanden ist und nicht schon vor Millionen von Jahren, wie es bei Produkten der chemischen Industrie der Fall sein müsste. Bei den vermeintlichen Flammschutzmitteln im Wal-Tran handelt es sich also, so die Schlussfolgerung der Forscher, um eine "natürliche Verschmutzung". Vermutlich werden die Stoffe von Algen oder Schwämmen produziert.

Dass sie gesundheitlich ungefährlich sind, heißt das aber noch lange nicht. Zwar wirkt eine der neu entdeckten Substanzen sogar antibakteriell und entzündungshemmend. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den Flammschutzmitteln dürften sie aber auch deren toxische Wirkung geerbt haben.

Dennoch gibt die neue Entdeckung den Forscher Anlass zur Hoffnung. Da die natürlichen Stoffe bereits seit vielen tausend Jahren existieren, verraten sie nicht nur viel über die Langzeitwirkung von Flammschutzmitteln. Die Substanzen können den Wissenschaftlern auch zeigen, wie sich organische Stoffe auf natürliche Weise unschädlich machen lassen.

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