Eins ist sicher: Durch einen fortschreitenden Klimawandel würde der Meeresspiegel ansteigen. Ein Effekt wurde bei den bisherigen Szenarien jedoch nicht berücksichtigt: Auch eine Abschwächung der Ozeanzirkulation hätte massive lokale Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Das haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) berechnet. Bei einem völligen Abbruch der Meeresströmung könnte der Meeresspiegel an den Küsten des Nordatlantiks bis zu einem Meter steigen, im Südatlantik würde er hingegen sinken.
Die Veränderungen des Meeresspiegels durch diesen Effekt würden deutlich schneller eintreten, als in den bisherigen Szenarien vermutet. Diese gehen von einem Anstieg des globalen Meeresspiegels um einige Dezimeter pro Jahrhundert aus. Beachtet werden dabei zwei Effekte: Durch die fortschreitende globale Erwärmung schmilzt Festlandeis, etwa auf Grönland, und fließt als Süßwasser in die Weltmeere. Außerdem dehnt sich das Wasser durch die Erwärmung aus.
Das Festlandeis wird schmelzen
Dass diese Effekte auch die Meeresströmungen beeinflussen, haben nun die Wissenschaftler des PIK berücksichtigt. "Die Ozeanzirkulationen entstehen durch Unterschiede in der Wassertemperatur und Salzkonzentration zwischen Nord und Süd", sagt Anders Levermann SPIEGEL ONLINE. Das Absinken von kaltem Wasser im Nordatlantik - dies ist ein Teil der Atlantikzirkulation, die zum milden Klima in Europa beiträgt - führt beispielsweise zu einem besonders niedrigen Meeresspiegel in dieser Region. Ein Fortschreiten der globalen Klimaerwärmung würde die Salzkonzentration und die Wassertemperaturen in Nord und Süd angleichen.
"Die meisten Experten halten eine Verringerung der Ozeanzirkulation für sehr wahrscheinlich", sagt Levermann. Die Gefahr eines totalen Abbruchs der Zirkulation sei hingegen sehr gering. Würde es aber dazu kommen, hätte das enorme Auswirkungen. Dies sei zwar ein Effekt, der sich global ausgleiche, sagte Levermann. Dennoch wäre er für bestimmte Küstenregionen in Nordamerika und Europa eine Gefährdung. Ihre Studie veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Climate Dynamics".
Von Kristina Patschull
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