• Drucken
  • Senden
  • Feedback
13.04.2005
 

Projekt Wiederauferstehung

Mammuts sollen durch Pleistozän-Park stapfen

Japanische Gentechniker wollen Mammuts wieder zum Leben erwecken - entweder durch Sameninjektion bei Elefanten oder durch Klonen. Falls das Vorhaben gelingt, könnten die haarigen Giganten eines Tages bei Safaris in Sibirien gesichtet werden.

Mammuts im Eis (Zeichnung): Suche nach brauchbarer DNS
Zur Großansicht

Mammuts im Eis (Zeichnung): Suche nach brauchbarer DNS

Mammut-Projekte bergen die große Gefahr des Scheiterns in sich. Bei dem, was der japanische Genforscher Kazufumi Goto vorhat, ist das nicht anders: Er will die längst ausgestorbenen Mammuts wieder zum Leben zu erwecken - und die Langhaarigen in einem Safari-Park in Sibirien aussetzen. Dort sollen sich die vor 10.000 Jahren ausgestorbenen Elefanten so wohl fühlen wie in den besten Tagen des Pleistozäns.

Idee der Forscher ist, Sperma aus Mammutkadavern zu gewinnen, die seit Tausenden Jahren gefroren in der Tundra liegen. Die Wissenschaftler wollen dann das Sperma lebenden Elefantenkühen injizieren. Durch wiederholte Befruchtung der dabei entstehenden Nachkommen könnten binnen 50 Jahren Tiere entstehen, die genetisch den ausgestorbenen Mammuts sehr nahe stehen. Die Wollhaar-Mammuts lebten auf der Nordhalbkugel bis zum 40. Breitengrad und waren dank ihrer Behaarung sehr gut an das kalte Klima angepasst. Man vermutet, dass steigende Temperaturen und weniger verfügbare Nahrung zu ihrem Aussterben beigetragen haben.

"Wenn wir ein Mammut zum Leben erwecken, dann werden wir eine Menge über das Leben der Tiere erfahren und warum sie ausgestorben sind", erklärt Goto gegenüber den "National Geographic News" das ehrgeizige Mammoth Creation Project, hinter dem private Spender und verschiedene japanische Wissenschaftler stehen.

Eine künstliche Befruchtung sei möglich mit "modernen Verfahren, die wir bereits heute nutzen", sagte Akira Irtani, Leiter des Bereichs Gentechnik an der Kinki University in Japan. In seinem Labor wurden bereits 1986 Eier von Kaninchen künstlich befruchtet.

Gefrorener Mammutkadaver auf Expo in Japan: Weitere Expeditionen geplant
Zur Großansicht
AFP

Gefrorener Mammutkadaver auf Expo in Japan: Weitere Expeditionen geplant

Bereits 1999 kündigte ein internationales Forscherteam um den US-Geologen Larry Agenbroad an, die Mammuts wiederauferstehen lassen zu wollen. Gelungen ist dies bisher nicht. Dabei mangelt es nicht an Masse: Immer wieder waren in den vergangenen Jahren Skelette von Mammuts im Norden Sibiriens entdeckt worden. Ein vor 18.000 gestorbenes Tier wird derzeit auf der Weltausstellung in Aichi (Japan) gezeigt.

Goto hofft nun, dass in mindestens einem Kadaver brauchbares Erbmaterial gefunden wird - oder eben noch viele weitere Mammutskelette in Sibirien.

Unter vielen Paläontologen stößt das Vorhaben auf Unverständnis und Spott. Die Schwierigkeit besteht unter anderem darin, brauchbare Spermien mit intakter DNS zu finden. Die Temperaturen im sibirischen Dauerfrostboden von 8 bis 12 Grad unter Null könnten sich dafür als zu hoch erweisen.

Falls sich kein Mammutsamen findet, können sich die japanischen Forscher alternativ auch vorstellen, die haarigen Elefanten aus gefrorener DNS zu klonen. Allerdings gehen viele Genexperten davon aus, dass dies kaum ohne signifikante Fehler möglich ist - Defekte bei den geklonten Tieren sind sehr wahrscheinlich. "Die DNS in altem Gewebe ist in Tausende einzelne Teile zerstückelt", sagte Adrian Lister vom University College London. Daraus könne kein Mammutbaby erzeugt werden.

Goto und Irtani planen derweil für den Sommer weitere Expeditionen nach Sibirien, um noch mehr Kadaver der Wollmammuts aufzustöbern. Sie träumen bereits davon, dass in dem Pleistozän-Park im Norden Sibiriens ihre Mammmut-Schöpfungen gemeinsam mit den ebenfalls ausgestorbenen Säbelzahntigern leben.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP