Die Liebe ist ein Geben und Nehmen. Auch zwischen Tier und Pflanze hat sich dieses Prinzip bewährt. Zum Beispiel bei Myrmecophyten: Diese mexikanische Akazienart füttert nützliche Ameisen mit einer speziellen Schonkost. Denn den Insekten fehlt ein bestimmtes Verdauungsenzym, das Rohzucker abbaut. Damit ihnen der Nektar nicht auf den Magen schlägt, produziert die Pflanze das Enzym selbst und verdaut den Pflanzensaft damit schon einmal vor. Er enthält dann keinen Rohrzucker mehr. Zum Dank halten die Ameisen der Gattung Pseudomyrmex den Akazien Schädlinge wie Raupen, Käfer und Insekten vom Leib.
Andere Ameisen mögen diesen speziellen Nektar nicht. So verhindern die Myrmecophyten, dass Ameisen angelockt werden, die nur zum Fressen kommen. Diese Erkenntnisse verbessern das Verständnis von Pflanzen-Tier-Wechselwirkungen, schreiben Martin Heil vom Max-Planck-Institut in Jena und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Science" (Bd. 308, S. 560).
Die Forscher waren hinter das Geheimnis der besonderen Beziehung zwischen Akazie und Ameise gekommen, als sie verschiedenen Ameisen Nektar mit unterschiedlichem Zuckergehalt anboten. Während die auf Akazien lebenden Ameisen saccharosefreien Nektar bevorzugten, ist er für andere umherziehende Ameisen unattraktiv.
Diese Studie zeigt zum ersten Mal, dass es im Nektar von Pflanzen ein derartiges Verdauungsenzym gibt. Die Forscher vermuten, dass es auch in vielen anderen Symbiosen solche Enzyme geben könnte. Weitere Untersuchungen in dieser Richtung sollen Aufschluss über die hohe Spezialisierung der Pflanzen-Tier-Wechselwirkungen geben.
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