"Es gibt keinen Zweifel mehr", erklärte der US-Wissenschaftler James Hansen. Die von den Menschen verursachten Treibhausgase seien die wesentliche Ursache für die globale Erwärmung. Die Erde nimmt nach Berechnungen von Nasa-Forschern derzeit nahezu ein Watt pro Quadratmeter mehr Energie von der Sonne auf, als sie an Wärme wieder ins All zurückstrahlt.
Dies erscheine zunächst wenig, sagte Hansen. Doch könnte man damit theoretisch in 10.000 Jahren eine Eismenge schmelzen, die den Meeresspiegel um einen Kilometer ansteigen ließe. Schuld an der Energiebilanz seien vor allem die Treibhausgase fossiler Brennstoffe, wie Hansens Team vom Goddard Institute for Space Studies der Nasa in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Science" berichtet.
Die Forscher hatten bei ihren Messungen mehr als 1800 Meeressonden eingesetzt, die seit dem Jahr 2000 über die ganze Welt verteilt worden waren. Unterstützt wurden die Messungen von Satelliten, die den Anstieg des Meeresspiegels erfassten.
An der Theorie des Treibhauseffekts zweifelt kaum noch ein renommierter Wissenschaftler. Doch vor allem die US-Regierung weigert sich, die Klimaerwärmung als Tatsache anzuerkennen. Die von der Nasa durchgeführten und in "Science" publizierten Messungen mit Meeressonden sind ein weiterer Beweis für den bereits begonnenen Klimawandel.
Zuletzt hatte im Januar der Geologe Matthew Saltzman von der Ohio State University neue Munition für die Verfechter des Treibhauseffekts geliefert. Er fand deutliche Hinweise darauf, dass die Eiszeit am Ende des Ordoviziums etwa zehn Millionen Jahre früher stattfand als bisher angenommen. Das Kohlendioxid aus den Vulkanen hätte dann tatsächlich einen Treibhauseffekt verursacht, der die Eiszeit beendete.
Im Oktober hatten US-Forscher zudem vor einem galoppierenden Treibhauseffekt gewarnt. Aus dem sprunghaften Anstieg der Kohlendioxid-Werte in der Atmosphäre in den vergangenen zwei Jahren folgerten sie, dass Ozeane und Wälder ihre Grenzen als Klimagas-Schlucker erreicht haben könnten.
Auch die Nasa-Wissenschaftler haben die Existenz des Klimawandels bestätigt. Der Wärmeaustausch zwischen Erde und Weltraum sei aus dem Gleichgewicht geraten, berichten Hansen und seine Kollegen in "Science". In diesem Jahrhundert werde die Durchschnittstemperatur damit um mindestens 0,55 Grad Celsius steigen, selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen sofort eingestellt werde.
Sollten die Klimagas-Emissionen noch weiter zunehmen, könne alles "außer Kontrolle" geraten, zumal der Meeresspiegel wegen der schmelzenden Eisdecke in Grönland und in der Antarktis steigen werde, erklärten die Forscher. Der Bericht bestätigt die bisherigen Berechnungen zur Klimaentwicklung mit Hilfe von Superrechnern.
"Das Energie-Ungleichgewicht ist der Beweis, nach dem wir gesucht haben", sagt Hansen, an dessen Forschungen noch 14 weitere Experten der Nasa, der Columbia University und des US-Energieministeriums beteiligt waren.
Der deutsche Klimatologe Klaus Hasselmann lobte die Arbeit seiner Kollegen, vor allem wegen der Aussagen zur Energiebilanz. Dies seien "wertvolle Hinweise" auf den vom Menschen verursachten Klimawandel.
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