Fast schnurgerade zieht sich eine weiße Linie durch das Korallenmeer. Die Schaumkronen der Wellen zeigen an, wo das Great Barrier Reef aufhört und die Weite des Südpazifiks beginnt. Die dunkelblaue Farbe des Wasser signalisiert: Hier ist das Meer sehr, sehr tief. Diesseits der schäumenden Grenze ist die Korallensee flach. Je nachdem, wie dicht die Korallenbänke des Great Barrier Reefs unter die Wasseroberfläche reichen, schimmert das Wasser mal himmelblau, mal smaragdgrün.
Das rund 2000 mal 380 Kilometer große Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens gilt als am besten umhegtes Korallenriff auf dem Globus. Umweltexperten warnen dennoch vor dem Niedergang des Unterwasser-Paradieses. Nach elf Jahren der Forschung sei es offensichtlich, dass durch massive Umwelteinflüsse große Teiles des Riffes absterben, warnen die Experten des Australian Institute of Marine Science (AIMS) in Townsville.
Umweltschützer loben Tourismus-Industrie
Trotz des Rummels am Riff trägt der Tourismus offenbar keine Schuld an den Öko-Problemen - obwohl mehr als 820 Unternehmen mit 1500 Schiffen und Flugzeugen gut 1,8 Millionen Menschen pro Jahr in das Unterwasserparadies bringen. "Die Tourismusindustrie spielt eine Schlüsselrolle zum Erhalt des Riffs", heißt es gar in einer Studie des Cooperative Research Centre, eines Forschungsinstituts für Korallenriffe. Gemeinsam mit Umweltorganisationen und Wissenschaftlern hätten die Reiseveranstalter dazu beigetragen, dass 2003 das Naturschutzgebiet Great Barrier Reef nach jahrelanger Debatte von unter 5 auf 33 Prozent des Riffs erweitert wurde.
Gut 400 Touristen nehmen Ende Februar an einer Tour durch das Riff teil. Der silberne Katamaran "Quicksilver VIII" nimmt von Port Douglas im tropischen Norden des australischen Föderationsstaates Queensland Kurs auf das gut 50 Kilometer entfernte Äußere Riff. Ziel ist ein am Agincourt Reef, einem der 2900 Einzelriffe des Great Barrier Reefs, verankerter weißer Ponton.
Unerschrockene begeben sich nach einem 20-minütigen Crashkurs im Tauchen auf eine von erfahrenen Tauchern begleitete Unterwasserexkursion. Weniger Mutige erschnorcheln sich die faszinierende Welt der Fische und Korallen innerhalb von begrenzten Arealen. Im Angebot sind auch Ausflüge auf einem Glasbodenboot, eine Sightseeingtour im Mini-U-Boot und sogar ein Helikopterrundflug.
Quicksilver hat 50 Meeresbiologen unter Vertrag, die in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten wie dem AIMS das Great Barrier Reef erforschen und auf den Riffsafaris über die ebenso komplexe wie fragile Ökologie der Unterwasserwelt aufklären. "Wer die Zusammenhänge versteht, ist eher bereit zu bewahren", sagt Meeresbiologin Erika Larsen, die Taucher über das Riff führt.
Wer im gut 28 Grad warmen Wasser des Südpazifiks taucht, eingezwängt in einen "Stinger Suit" zum Schutz vor hochgiftigen Würfelquallen, erlebt das Great Barrier Reef als eine Landschaft aus bizarr geformten Hügeln und tiefen Tälern. Der Meeresboden ist mal sandig, mal bedeckt mit Korallenschrott. Die unmittelbare Begegnung mit bläulichen Geweihkorallen und schwarzen Seegurken, bunten Papageienfischen und neugierigen Zebrafischen fasziniert. Eine riesige Schildkröte zieht unbeeindruckt von der kleinen Gruppe ihre Bahnen. Auf dem Meeresboden lassen sich neben einer Riesenmuschel die Umrisse von drei Stachelrochen ausmachen.
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