Ob Eltern ihr Kind schlagen, wird vermutlich nicht durch die Gene festgelegt, sondern durch die eigenen Erfahrungen in der frühen Kindheit. Es handele sich um erlerntes Verhalten, schreibt ein Forscherteam um Darius Maestripieri von der University of Chicago im Fachjournal "Proceedings of the National Academies of Science" (Band 102, S. 9276).
An Rhesusaffen untersuchten die Primatenforscher, wieso in manchen Affenfamilien Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben wird. Viele Rhesusaffen-Mütter misshandeln ihre Babys während der ersten sechs Lebensmonate: Etwa einmal pro Stunde kontrollieren und bestrafen sie dann ihren Nachwuchs übermäßig, beißen ihn oder behandeln ihn wie ein lebloses Objekt, das man am Schwanz oder einem Bein durch die Gegend zerren oder durch die Luft werfen kann.
Maestripieri und seine Kollegen überprüften die These, dass das gewalttätige Verhalten auf die Gene zurückzuführen sei. Sie beobachteten zwei Generationen von Rhesus-Affen: Für das Experiment nahmen sie einige neugeborene Affenbabys ihren Müttern weg und ließen sie von Adoptivmüttern großziehen. Etwa die Hälfte davon misshandelte ihre Nachkommen.
Als diese Rhesusäffchen selbst Nachkommen bekamen, zeigte sich ein überraschendes Ergebnis: Neun von 16 Weibchen, die von ihrer Mutter oder Adoptivmutter misshandelt wurden, schlugen auch ihre Nachkommen. Dagegen wurde keines der 15 Weibchen, das als Affenbaby gut behandelt wurde, selbst zum Schläger. Dass dieses Verhalten vererbt wird, sei daher sehr unwahrscheinlich, meinen die Forscher.
Allerdings zeigte sich noch ein weiteres Phänomen: Fast die Hälfte der Kinder, die misshandelt wurden, wurde dennoch später nicht gewalttätig. Was sie davor bewahrte, ist noch unklar. Möglicherweise wirkte ihre Persönlichkeit oder ihr soziales Netz als Puffer.
"Wir schließen bei Menschen nicht aus, dass es eine genetische Veranlagung gibt, denn Eigenschaften wie Impulsivität könnten auch vererbt sein", sagte Maestripieri. "Es wäre interessant, Situationen zu analysieren, in denen misshandelte Kinder nicht selbst zu misshandelnden Eltern werden."
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