Gute Nachrichten über die Erdatmosphäre sind selten. Doch internationale Vereinbarungen zum Umweltschutz können offenbar wirken, wie eine aktuelle Untersuchung über die Ozonschicht nahelegt. Wissenschaftler von mehreren US-Universitäten und der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sind nach der Analyse großer Datenmengen zu dem Schluss gekommen, dass die Zerstörung der Ozonschicht wahrscheinlich gestoppt wurde. Zwischen 1996 und 2002 seien die Werte stabil geblieben und stellenweise sogar gestiegen.
"Diese Veränderungen könnten auf einen Anstieg des Ozons in der Atmosphäre hindeuten", sagte Betsy Weatherhead, ein Mitglied des Forscherteams. "Aber wir müssen die Ozonschicht noch jahrelang beobachten, um letzte Sicherheit zu erlangen."
Die statistische Untersuchung, die jetzt im "Journal of Geophysical Research" veröffentlicht wurde, konzentriert sich auf die gesamte Ozonsäule von der Erdoberfläche bis in die oberen Atmosphärenschichten. Die Wissenschaftler haben die Daten von Satelliten der Nasa und der NOAA sowie von Bodenstationen in Nordamerika, Europa, Hawaii, Australien und Neuseeland analysiert.
Erholung der Ozonschicht wird Jahrzehnte dauern
Die Forscher führen die Stabilisierung der Gasschicht, die harte UV-Strahlung aus dem All von der Erdoberfläche fernhält, auf das Montreal-Protokoll von 1987 zurück. Das Vertragswerk, das von 180 Nationen ratifiziert wurde, setzt rechtlich bindende Grenzen für die Produktion und den Verbrauch von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Die Verbindungen, die unter anderem in Kühlschränken und Spraydosen Verwendung fanden, gelten seit Mitte der siebziger Jahre als Hauptverursacher des Ozonverlusts.
Grund für eine generelle Entwarnung sehen die Forscher jedoch keinesfalls. Es könnten noch 40 Jahre vergehen, ehe es in der Atmosphäre wieder bedeutend höhere Ozonwerte gebe, sagte Weatherhead. Ihr Niveau aus der Zeit vor den siebziger Jahren werde die Schutzschicht wahrscheinlich nie mehr erreichen, "selbst wenn alle Chlorverbindungen aus dem System verschwunden sind".
Das liege unter anderem daran, dass es neben FCKW weitere von Menschen gemachte Faktoren gebe, die die Ozonschicht stark beeinflussten. Hierzu gehörten Methan, Wasserdampf und die insgesamt steigenden Temperaturen in der Atmosphäre. Zudem gebe es in der Ozonschicht starke saisonale Einbrüche von bis zu 40 Prozent über den Polen und bis zu 10 Prozent über Nord- und Südamerika sowie Europa.
Riesiges Ozonloch über der Antarktis
Wie auf Bestellung lieferte die europäische Raumfahrtagentur Esa neue Daten. Messungen des Satelliten Envisat haben demnach ergeben, dass über der Antarktis derzeit ein Ozonloch von der Größe Europas klafft. Mit rund zehn Millionen Quadratkilometern besitze es eine der größten je gemessenen Ausdehnungen. Sein Maximum werde das Loch zudem erst in zwei bis drei Wochen erreichen.
"Chemikalien, die vor Jahrzehnten in die Atmosphäre gepumpt wurden, beeinträchtigen die Ozonschicht noch heute", sagte Sherwood Roland von der University of California in Irvine. Roland und zwei seiner Kollegen erhielten 1995 den Nobelpreis für Chemie, weil sie das Gefahrenpotential von FCKW nachgewiesen hatten.
Einhellig warnen die Experten vor einem neuen Leichtsinn im Umgang mit der Sonnenstrahlung. "Die Hauptursache von Hautkrebs ist nach wie vor menschliches Verhalten", betonte Mike Repacholi von der Weltgesundheitsorganisation. Die aktuelle Studie beinhalte zwar "einige ermutigende Neuigkeiten", gebe aber keinen Anlass, Haut und Augen künftig weniger sorgfältig vor der Sonne zu schützen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Klimawandel | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH