Die kanadischen Richardson-Ziesel sind echte Plaudertaschen. Sie zirpen und zwitschern, pfeifen und flöten, dass es eine wahre Freude ist - und sie sprechen sogar Ultraschall. All die kommunikativen Fähigkeiten dienen aber nicht dem gemütlichen Plausch über der Nachmittags-Nuss, sondern werden für ernstere Themen eingesetzt: Warnungen vor gefräßigen Feinden nämlich.
Die Tiere können dabei nicht nur mitteilen, wie dringlich eine Warnung ist. Sie rufen einander auch Informationen darüber zu, welcher Bösewicht des Weges kommt und aus welcher Richtung. Über die Entschlüsselung der Hörnchensprache berichten James Hare von der University of Manitoba und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Animal Behaviour" (Bd. 70, S. 937).
Erst im vergangenen Jahr hatte Hare entdeckt, dass Richardson-Ziesel Ultraschallrufe als Alarmsignale nutzen. In der neuen Studie konzentrierten sich die Forscher nun auf den auch für Menschen hörbaren Teil der Zieselsprache. Der besteht aus Pfeiflauten, Zirp- oder Zwitschertönen und einem Geräusch, das die Wissenschaftler "Chuck" tauften, weil es wie das englische Wort "Chuck" klingt. Das kann - bei Menschen - "Murmeltier" heißen oder "Bohrfutter", oder auch "werfen". Bei Zieseln heißt es offenbar "Obacht!". Erdhörnchen hängen es meist an einen Pfeiflaut an, stellten die Ziesel-Belauscher fest.
Um die Bedeutung der verschiedenen Lautäußerungen zu entschlüsseln, hatten Hare und seine Kollegen einige Erdhörnchen geärgert, indem sie mit einem Hut nach ihnen warfen. So entlockten die Wissenschaftler den Nagern Alarmschreie. Die spielten sie anschließend anderen Zieseln vor und beobachteten deren Reaktion.
Luft- oder Bodenangriff?
Die "Chucks" dienen den Nagern offenbar als eine Art verbales Ausrufezeichen, das einen Warnruf betont, schlossen die Hutwerfer aus der Auswertung. Ein Pfeifton ohne "Chuck" ist demnach eine eher allgemeine Warnung vor einem Feind, der sich am Boden nähert. Wird dieser Alarm mit einem "Chuck" versehen, macht das die Warnung dringlicher und bedeutet: "Achtung, ein möglicherweise gefährlicher Feind ist ganz nah."
Geht es um einen Angreifer aus der Luft wie beispielsweise einen Greifvogel, verwenden die Erdhörnchen dagegen Zirp- oder Zwitschertöne, die den Lauten von Vögeln ähneln. Diese Signale rufen sozusagen die höchste Alarmstufe aus und vermitteln die Botschaft: "Ich gehe sofort in Deckung, denn hier ist eine unmittelbare Gefahr." Auch hier verstärkte ein "Chuck" die Dringlichkeit der Warnung.
Warum die Tiere sich jedoch mit den lauten Warnschreien in Gefahr bringen und nicht auf die für viele Angreifer unhörbaren Ultraschalllaute zurückgreifen, können die Ziesel-Versteher noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass die Tiere damit möglicherweise nicht nur ihren Verwandten helfen, sondern auch Wachsamkeit den Feinden gegenüber demonstrieren wollen, um sie so von weiteren Angriffen abzuhalten.
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