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29.11.2005
 

Webervogel

Angst vor Kuckuckskindern macht Eier bunt

Vögel in Afrika markieren ihre Eier mit individuellen Mustern, um sie besser von untergeschobenen Kuckuckseiern unterscheiden zu können. Sobald die Tiere keine Brutparasiten mehr fürchten müssen, verzichten sie auf auffällig bunte Eier.

Der Goldkuckuck ist ein cleverer Brutparasit. Um sich das aufwendige Brüten zu ersparen, jubelt er seine Eier einfach anderen Vögeln unter - zum Beispiel den Dorfwebern, die in Afrika südlich der Sahara in großen Kolonien zusammenleben. Die Täuschung gelingt relativ leicht, weil die Goldkuckucks-Eier denen der Webervögel stark ähneln. Für die Dorfweber hat die Täuschung fatale Folgen: Sobald der junge Kuckuck geschlüpft ist, wirft er den rechtmäßigen Nachwuchs aus dem Nest.

Damit derartige Tricks nicht so leicht gelingen, haben die Eier der Dorfweber im Laufe der Evolution charakteristische Muster aus Farben und Flecken angenommen. Innerhalb eines Geleges ist das Muster ziemlich einheitlich, unterscheidet sich aber deutlich von den Eiern anderer Vogelweibchen in der Kolonie. Damit können die Weibchen ihr eigenes Gelege leichter von fremdem Nachwuchs unterscheiden - egal, ob es von einem Artgenossen oder von einem Kuckuck stammt.

Doch die Dorfweber geben diese auffällige Markierung unerwartet rasch auf, wenn kein Kuckuck mehr in der Nachbarschaft lebt, wie der Biologe David Lahti von der University of Massachusetts jetzt herausgefunden hat.

Er untersuchte Brutkolonien auf den Inseln Mauritius und Hispaniola (Karibik), wo die Webervögel erst vor 100 bis 200 Jahren eingeführt worden waren, Brutparasiten wie der afrikanische Goldkuckuck aber nicht vorkommen. Schon innerhalb dieser kurzen Zeit verloren sich die auffälligen Muster fast vollständig, berichtet der Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung). Zum Vergleich sammelte der Forscher Eier von Dorfwebern in Gambia und Südafrika.

Das Ergebnis: Die auf den beiden Inseln gefundenen Eier sind weniger stark gefleckt als die afrikanischen Exemplare. Weil auf den Inseln keine Goldkuckucke vorkommen, sind charakteristisch gemusterte Eier zur Identifizierung des eigenen Nachwuchses für die Vögel nicht mehr notwendig. Das führte innerhalb relativ kurzer Zeit zu einer Abschwächung der Eimuster - besonders bei Exemplaren auf Hispaniola, wo die Vögel schon vor mehr als 200 Jahren eingeführt worden waren. Auf Mauritius dagegen, wo es Dorfweber erst seit etwa 100 Jahren gibt, seien die Änderungen im Muster noch wenig ausgeprägt, so der Forscher.

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