Montréal - Die USA erklärten, sie wollten mit den anderen Ländern in einen Dialog über Schritte im Kampf gegen den Klimawechsel treten. "Verhandlungen über neue Zusagen" wurden aber ausgeschlossen. Damit ist es dem Gipfeltreffen nicht gelungen, die Differenzen zwischen den USA und den Unterzeichnern des Kyoto-Protokolls über den Klimawandel auszuräumen.
Der Umweltverband WWF bewertete die Konferenz dennoch als Erfolg. "Das ist ein Signal der internationalen Staatengemeinschaft, dass sie gemeinsam auch nach 2012 gegen die große Herausforderung Klimawandel etwas unternehmen will", sagte Regine Günther vom WWF.
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von einem "wichtigen Schritt in die richtige Richtung". Die erzielten Ergebnisse zeigten, "dass das Kyoto-Protokoll lebt und wir darauf aufbauen können". Vor dem Hintergrund der immensen Bedrohung durch den Klimawandel gleiche das Tempo der Verhandlungen allerdings "eher dem Gang einer lahmen Ente". "Die progressiven Staaten, und allen voran die EU, müssen jetzt dringend einen Gang hoch schalten", forderte Markus Steigenberger vom BUND in Montréal. Das Verhalten der amerikanischen und russischen Delegierten in Montréal bewertete er als destruktiv.
Umweltminister Sigmar Gabriel bewertete den Abschluss als ein wirklich gutes Ergebnis. Die wichtigste Botschaft sei, dass der Klimaschutzprozess vorangetrieben werde. Es werde nun auch beim Emissionshandel bleiben. Mit Blick auf Deutschland sagte er: "Wir wollen und müssen Vorbild sein, als eine der größten Industrienationen in der Welt, wenn wir wollen, dass uns andere folgen."
Unter Wissenschaftlern gilt es inzwischen als Konsens, dass die von Autos, Kraftwerken und Industrie verursachte Emission von Kohlendioxid und anderen Gasen entscheidend dazu beigetragen hat, dass die globale Temperatur im vergangenen Jahrhundert um 0,7 Grad gestiegen ist und weiter steigt - mit unabsehbaren Folgen für die Menschen in Küstenregionen oder in der Arktis. Der Anteil der USA am weltweiten Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase liegt bei über 25 Prozent.
Die Teilnehmer des Uno-Klimagipfels wollen nun ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten weiter über die Reduzierung der Treibhausgase verhandeln. Diese Verhandlungen sind eine Grundvoraussetzung, damit der Kyoto-Prozess nach Ablauf der ersten Runde des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 weitergehen kann. Die Diskussionen über die Einbindung von ärmeren Staaten sollen 2006 beginnen. Auch über die Weiterführung der Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro 1992 herrschte Einigung.
"Diese Länder sind bereit, die Führung zu übernehmen", sagte der Schweizer Delegierte Bruno Oberle über die mehr als 150 Unterzeichnerstaaten. "Aber sie können das Problem nicht allein lösen. Wir brauchen die Unterstützung der Vereinigten Staaten - und auch die der aufstrebenden Staaten." Der Gastgeber, der kanadische Umweltminister Stephane Dion, zeigte sich trotzdem zufrieden mit dem Gipfeltreffen. Man habe sich einigen können auf "eine Karte für die Zukunft, den Montreal Action Plan, MAP", erklärte er.
Wegen anhaltender Meinungsverschiedenheiten hatten die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll bis heute Morgen gedauert, obwohl das Treffen eigentlich bereits am Freitag zu Ende gehen sollte. Die USA, die das Klimaschutzprotokoll boykottieren, lehnen verbindliche Festlegungen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen auch für die Zeit nach 2012 ab. Sie wollten nur einer Abschlusserklärung ohne konkrete Zielvorgaben zustimmen.
Die Konferenz von nahezu 10.000 Delegierten war die erste Klimakonferenz der Vereinten Nationen seit dem In-Kraft-Treten des Kyoto-Abkommens im Februar.
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