"Es ist wirklich atemberaubend, wie schön es ist", sagte William Saturno von der University of New Hampshire über das Gemälde. Der Archäologe hatte das Wandbild in einem verschütteten Raum im Dschungel von Guatemala entdeckt. Es bedeckt die westliche Wand eines Zimmers, das zu einer Maya-Pyramide nahe des heutigen San Bartolo gehörte.
In brillanten Farben erzählt das Bild die Geschichte der Schöpfung aus Sicht der Maya. "Es könnte gestern gemalt worden sein", meinte Saturno auf einer Pressekonferenz des Magazins "National Geographic", das in seiner Januar-Ausgabe über den Fund berichtet.
Laut Saturno wurde das Bild hundert Jahre vor Christus gemalt. Eine Sensation für die Archäologen, die bislang davon ausgegangen waren, dass die Mayas erst nach dem 7. Jahrhundert nach Christus derartige Werke geschaffen haben. "Sie haben Könige, sie haben Kunst, und es existiert eine Schrift", sagte Saturno.
All diese Dinge habe man bislang der klassischen Maya-Periode zugeordnet, die von 250 bis 1000 nach Christus reicht. "Das ist etwa so, als würde man die Renaissance und all jene Gemälde nicht kennen, die im Florenz des 16. Jahrhunderts gemalt wurden, und plötzlich vor einem Michelangelo stehen."
Das Gemälde zeigt vier Gottheiten, die alle Variationen derselben Figur sind: des Sohnes des Mais-Gottes. Eine Gottheit steht im Wasser und hält einen Fisch, eine andere steht an Land und opfert ein Tier. Die dritte Gottheit fliegt durch die Luft, die vierte steht in einem Blumenfeld. Die Götter erschaffen laut Saturno Wasser, Land, den Himmel und das Paradies.
Der Archäologe war durch einen Zufall auf die alte Maya-Stätte gestoßen. Als er 2001 im Dschungel etwas Schatten suchte, entdeckte er, dass die Grube, in die er gestiegen war, Teil eines alten Raums gewesen war. Auf der Mauer fand er das Gesicht des Mais-Gottes. Es dauerte jedoch mehrere Jahre, bis das Team von Saturno die Stätte freilegen konnte.
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