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23.12.2005
 

Einhorn-Wal

Rätsel des Riesenzahns gelüftet

Der bis zu drei Meter lange Stoßzahn des Narwals gab Biologen bislang Rätsel auf. Jetzt haben US-Forscher herausgefunden, was die Tiere mit dem Riesenzahn anstellen: Sie messen Veränderungen im Wasser.

Narwale sind bizarre Meeresbewohner. Bei den Männchen hat sich im Laufe der Evolution einer der Stoßzähne zu einem degenartigen Horn umgebildet, dass knapp drei Meter lang werden kann. Über den genauen Zweck dieses ungewöhnlichen Zahns konnten Forscher bislang nur spekulieren. Angeblich sollte die Länge des Stoßzahns über die Rangordnung der Männchen entscheiden. Andere Wissenschaftler meinten, die Tiere würden mit dem Stoßzahn die Eisschicht durchstoßen, den Meeresboden aufwühlen oder Fische aufspießen.

Narwal: Sensor statt Waffe
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REUTERS

Narwal: Sensor statt Waffe

Doch in Wahrheit handelt es sich um ein außergewöhnliches Sinnesorgan, wie ein amerikanisches Wissenschaftlerteam jetzt herausgefunden hat. Denn durch den Zahn verlaufen zehn Millionen Nervenbahnen. Diese verbinden das Äußere des Zahns mit den zentralen Nervensträngen, die ins Gehirn führen.

Bei Experimenten mit einem lebenden Tier und mit einzelnen Stoßzähnen zeigte sich, dass das Sensorsystem Änderungen von Temperatur, Druck, Salzgehalt und weiteren Größen registrieren kann. Eine überlebenswichtige Fähigkeit, erklärten die Wissenschaftler von der Harvard University, der Smithsonian Institution und dem Paffenbarger Research Center am National Institute of Standards and Technology.

Frederick Eichmiller und seine Kollegen vom Paffenbarger Research Center hatten Stoßzähne der Tiere, die auch Einhornwale genannt werden, mithilfe der Infrarot-Mikrospektroskopie und unter einem Elektronenmikroskop untersucht. Dabei waren sie auch auf deren ungewöhnliche Struktur gestoßen.

Normalerweise sind Zähne von Säugetieren außen hart und innen weicher. Narwal-Zähne seien offenbar genau ungekehrt aufgebaut, erklärte Eichmiller auf einer Wissenschaftskonferenz in San Diego. Möglicherweise sollen die weicheren äußeren Schichten Stöße abmildern, glauben die Forscher. So ließen sich auch Brüche des wichtigen Sensors verhindern.

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