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02.01.2006
 

Meeresbiologie

Wale sprechen Dialekt

Mit schwimmenden Lauschgeräten haben Wissenschaftler Walen beim Plauschen zugehört. Sie entdeckten Arten an unerwarteten Orten - und machen eine verblüffende Entdeckung: Blauwale sprechen Dialekt, je nachdem, in welcher Ecke des Ozeans sie zu Hause sind.

Die Blauwale des Ostpazifiks sind gewissermaßen die Oberbayern der Weltmeere. Die Tiere kommunizieren dort mit "tiefen, pulsierenden Klängen, gefolgt von einem Ton", erklärt David Mellinger von der Oregon State University. Andere Blauwale klingen anders, weniger guttural - je nachdem, wo sie wohnen. Blauwale im Nordwestpazifik singen anders als die im westlichen Pazifik, und beide wiederum haben einen anderen Sound als die in den Meeren rund um die Antarktis.

"Die Populationen haben unterschiedliche Kombinationen von Takt, Klangfarben und Tonhöhen", sagt Mellinger. "Die Unterschiede sind wirklich erstaunlich." Die Wale singen in regional begrenzten Dialekten - warum ist aber unklar. "Wir wissen nicht, ob es genetische oder andere Ursachen hat", sagt Mellinger.

Es gibt auch "Hybrid-Klänge", bei denen sich die verschiedenen Dialekte überlappen, erklärt der Meeresbiologe. Man wisse aber nicht, ob diese "Teil einer gemeinsamen 'Sprache' sind, mit der Wale miteinander kommunizieren, oder ob sie von verwirrten Jungtieren stammen, die die Kommunikation noch nicht in ihrer ganzen Komplexität beherrschen", so Mellinger.

Ein großes Team von Wissenschaftlern von verschiedenen US-Universitäten und Meeresforschungsinstituten hat vor einiger Zeit einen großen Lauschangriff auf die Wale der Weltmeere gestartet. Mit autonomen, schwimmenden Hydrophonen horchen sie den Meeressäugern hinterher.

Bis Mitte der Neunziger gab es vor allem eine Quelle für Hörproben aus den Ozeanen: Das Sound Surveillance System (SOSUS) der US-Marine. Ursprünglich wurde dieses System installiert, um militärische U-Boot-Aktivitäten im Nordpazifik zu beobachten. Als der Kalte Krieg zu Ende ging, wurden die fest installierten Hydrophon-Anlagen für Forschungszwecke geöffnet. Zunächst wurden sie vor allem eingesetzt, um nach Seebeben zu horchen.

Autonome Lauscher horchen ins Meer

Im Laufe dieser Forschungen hörten die Wissenschaftler aber auch anderes, etwa Schiffe, unterseeische Erdrutsche - und eben Wale. Einer der Ingenieure des Hatfield Marine Science Center, Haru Matsumoto, entwickelte daraufhin ein autonomes Hydrophon, das an einem beliebigen Ort im Meer platziert werden kann. Es wird am Grund verankert und erfasst dann Geräusche und Vibrationen vom Meeresgrund und aus verschiedenen Wasserschichten.

Sieben dieser Instrumente tun inzwischen seit fünf Jahren im Golf von Alaska ihren Dienst. Sie können Walgesänge noch aus 40 Kilometern Entfernung auffangen - und sogar noch weiter entfernte Klänge, wenn die Bedingungen stimmen. Weitere Hydrophon-Anordnungen gibt es im östlichen Pazifik, im Nordatlantik und entlang des Atlantischen Rückens. In der Januarausgabe des Wissenschaftsmagazins "BioScience" berichten die Forscher jetzt über Resultate der Unterwasser-Lauschaktion.

Die erbrachte übrigens nicht nur neue Erkenntnisse über Dialektfärbungen unter Blauwalen, sondern auch überraschende Entdeckungen: Etwa, dass eine Gruppe von Glattwalen im Golf von Alaska herumschwimmt. "Es hat seit 1980 nur eine einzige bestätigte Sichtung eines Glattwals im Golf von Alaska gegeben," sagt Mellinger, "die Entdeckung ist deshalb nicht nur überraschend, sondern ziemlich bedeutend." Außerdem sei man erstaunt gewesen, dass die Glattwale sich offenbar nicht im flachen, küstennahen Wasser, sondern in tiefem Wasser aufgehalten hatten: "Die meisten Glattwalsichtungen waren bisher in Ufernähe."

Im kommenden Frühjahr wollen die Forscher ihre Wal-Entdeckungstechnik noch verfeinern. Sie werden mit weiteren Messgeräten Zusammenhänge zwischen den Bedingungen im Wasser und dem Auftauchen von Walen untersuchen. "Wir werden uns Wassertemperatur, Salzgehalt und Chlorophyllwachstum ansehen", so Mellinger. Der Meeresbiologe hofft, am Ende genauere Vorhersagemöglichkeiten herauszubekommen: "So, dass wir eine bestimmte Wassermasse identifizieren können, bei der wir dann wissen, dass es dort einen Zuwachs von Chlorophyll und Plankton geben wird, und dass dort Wale auftauchen werden."

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