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20.01.2006
 

Klimawandel

Arktisforscher messen Wärmerekord

Während in Russland extreme Minustemperaturen herrschen, erlebt die Arktis derzeit einen Wärmerekord. Forscher registrierten die höchsten je im Januar gemessenen Temperaturen. Der Monat ist bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt.

Von der Koldewey-Forschungsstation an der Westküste Spitzbergens sind es nur 1200 Kilometer bis zum Nordpol. Seit 15 Jahren sammeln Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Koldewey Klimadaten. Doch einen so warmen Januar wie in diesem Jahr haben sie noch nie erlebt.

Normalerweise herrscht in Ny-Ålesund, der nördlichsten Siedlung der Welt, in diesen Tagen Frost um minus 12 Grad Celsius. Seit dem 4. Januar liegen die Temperaturen aber über dem Gefrierpunkt. Der bisher wärmste Tag war der 16. Januar mit einer Höchsttemperatur von plus 6,5 Grad Celsius - zwei Grad mehr als der bisherige Januar-Höchstwert.

An zehn Tagen wurden die bisherigen Tagesrekorde um bis zu 3 Grad Celsius überschritten, teilte das Institut mit. Im Mittel sei der Januar bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt. Gleichzeitig ist nach Messungen des norwegischen Polarinstituts in der ersten Januarhälfte dreimal so viel Niederschlag gefallen wie sonst im gesamten Monat.

Die hohen Temperaturen lassen große Mengen des im Winter gefallenen Schnees schmelzen. Zwischen Restschnee und Dauerfrostboden entstehen gefährliche, weil nicht sichtbare Schmelzwasserabflüsse. "Wir können den Ort praktisch nicht mehr verlassen, um an unseren Messgeräten außerhalb zu arbeiten", erklärt Kai Marholdt, Ingenieur an der Forschungsbasis.

"Auch zwischen den Gebäuden sind regelrechte Bäche mit Schmelzwasser entstanden", berichtet Siegrid Debatin, "so etwas habe ich im Januar in diesem Ausmaß noch nicht erlebt". Die Meteorologie-Technikerin besucht die Koldewey-Station seit über zehn Jahren regelmäßig für Messungen im Winter.

"Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus", erklärt der Bremerhavener Klimaexperte Peter Lemke. Ein Aufwärtstrend der Temperaturen sei dort tatsächlich seit mehr als 20 Jahren zu beobachten. Laut Lemke wird es aber auch in Zukunft in der Arktis immer wieder zu kalten Wintern kommen. Dies sei Folge der normalen Wetterschwankungen.

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