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Löwen Der König dankt ab

2. Teil: Sind Großwildjäger die Rettung für den afrikanischen Löwen? Lesen Sie im zweiten Teil, warum manche Artenschützer auf die Trophäenjagd setzen.

Zwei Junglöwen streifen durch die Savanne
Dominik Baur

Zwei Junglöwen streifen durch die Savanne


Sierra Leone beispielsweise hat überhaupt keine Löwen mehr - außer dem im Namen. In Gabun, Liberia und Togo ist die Art auch schon längst ausgestorben. In vielen anderen Ländern im Westen Afrikas gibt es nur noch zersplitterte Bestände von 200 bis 300 Tieren - Populationen, die auf Dauer nicht überlebensfähig sind. Einzig im Süden und im Osten des Kontinents gibt es bedeutende Bestände: in der Serengeti, dem Selous-Ökosystem in Tansania, dem Okawango-Delta und dem Krüger-Nationalpark. Bauer warnt: "Die Spezies als solche wird überleben - in ein paar wenigen Regionen. Die Frage ist: Wollen wir das? Wollen wir drei oder vier Mega-Zoos, in denen es Löwen gibt, oder wollen wir sie über den ganzen Kontinent verteilt?"

Töten, um zu schützen

Es sind vor allem zwei Faktoren, die dem Löwen die Existenzgrundlage entziehen. Zum einen macht sich der Mensch immer breiter auf dem Kontinent; der Lebensraum des Löwen und seiner Beutetiere schrumpft. Immer mehr Land, auf dem früher Löwen der Jagd nach Antilopen nachgingen, wird jetzt von der explodierenden Bevölkerung landwirtschaftlich nutzbar gemacht.

Zum anderen leben die Raubkatzen in permanentem Konflikt mit den Viehzüchtern. Einzelne Löwen haben entdeckt, welch bequeme Mahlzeit die Bauern für sie bereithalten und vergreifen sich immer öfter an deren Vieh. Untersuchungen haben laut Bauer ergeben, dass in manchen Gebieten zwei Prozent der Hausrinder von Löwen gerissen werden. Im Gegenzug legen die geschädigten Bauern dann vergiftete Köder aus und töten damit womöglich Löwen und andere Raubtiere, die gar keine Gefahr für ihr Vieh dargestellt haben.

Seit einiger Zeit werden nun ungewöhnliche Vorschläge zum Schutz des Königs der Tiere laut. Ausgerechnet indem man Löwen zum Abschuss freigibt, soll ihre Art erhalten werden. Selbst einige Artenschützer unterstützen die kontrollierte Trophäenjagd. Hinter der paradox klingenden Forderung steht ein plausibler Gedanke: Die leidenschaftlichen Großwildjäger aus Europa und den USA sind bereit, mehrere Tausend Euro für den Abschuss eines erwachsenen, männlichen Löwen zu zahlen. Wer aber den Jagdtouristen solche Löwen bieten will, muss dafür großflächige Ökosysteme erhalten. Durch die Nachfrage steigt das Angebot.

Manche Tierschutzorganisationen wollen deshalb sogar schon auf bislang gültige Abschussquoten verzichten. "Schießt man nur Löwenmännchen, die älter als sechs Jahre sind", behauptet etwa Kristin Nowell von der Cat Spezialist Group des Artenschutzverbundes IUCN im Gespräch mit dem SPIEGEL, "braucht man keine Quote mehr. Die Population reguliert sich von selbst."

"Ein Rancher schlachtet nicht die besten Bullen"

Auch Löwenexperte Bauer sieht in der Trophäenjagd eine Chance: "Sie kann zum Arterhalt beitragen. Ich respektiere zwar, wenn manche Leute die Trophäenjagd aus ethischen Gründen prinzipiell ablehnen. Aber wenn Sie in Länder fahren, in denen die Trophäenjagd erlaubt ist, und sehen, wie das Geld, das die Jäger hierlassen, eingesetzt wird, werden Sie merken, dass die Natur dadurch profitiert. Das beste Beispiel ist Südafrika." Viele Menschen hätten dort erkannt, dass sie mit wilden Tieren auf ihrem Farmland mehr Geld machen können als mit Ackerbau oder Viehzucht.

Tierarzt Siefert dagegen ist skeptisch. Die Jäger wollten schließlich die besten Löwen mit den schönsten Mähnen als Trophäen mit nach Hause nehmen. Da könne es dann schon mal passieren, dass man es bei der Bestimmung des Alters nicht so genau nimmt. Für den Bestand wäre der Verlust der starken Rudelführer und ihrer Gene verheerend. "Ein Rancher würde seine besten Bullen oder Kühe niemals schlachten, sondern für die Zucht einsetzen."

Siefert setzt eher auf das Geld der Fototouristen. Schließlich wolle jeder Urlauber auf einer Fotosafari die sogenannten Big Five, also Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe, vor die Linse bekommen - was etwa im Queen-Elizabeth-Nationalpark gar nicht so einfach ist. Wichtig sei also, den Touristen zu ermöglichen, die Löwen auch tatsächlich zu sehen, ohne die Tiere allzu sehr zu beunruhigen. Der Veterinär plädiert daher für eine verstärkte Zusammenarbeit der Löwenexperten, die einige der Raubkatzen ohnehin per Funkhalsband überwachen, und der Safari-Unternehmen. Bei Menschenaffen ist Ökotourismus bereits üblich - wieso sollte das Prinzip bei Löwen nicht funktionieren?

So uneins Artenschützer darüber sind, wie der Löwe am besten zu schützen sei, so einig sind sie sich darüber, dass etwas getan werden muss. Dabei geht es nicht nur um den Löwen allein. Wer das symbolträchtige Tier schützt, erhält damit ganze Ökosysteme. Noch bewerten die Experten die Lage für den afrikanischen Löwen, dessen asiatischer Vetter schon bis auf wenige Exemplare ausgestorben ist, nicht als aussichtslos. "Aber man muss jetzt handeln, um Viertel vor Zwölf", sagt Siefert. "Um Fünf vor Zwölf ist es vielleicht zu spät."

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