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07.02.2006
 

Insel-Expedition

Forscher finden verborgenes Paradies

Es ist ein neuentdecktes Paradies in Zeiten von Abholzung und Umweltverschmutzung: Forscher haben im indonesischen Dschungel neue Tierarten, unbekannte Pflanzen und einen lange verschollenen Paradiesvogel gefunden. Beinahe wäre das Refugium geflutet worden.

Die Geschichte klingt wie ein Ausschnitt aus "Die verlorene Welt" von Sherlock-Holmes-Erfinder Sir Arthur Conan Doyle: Eine Gruppe Naturforscher entdeckt in einem unberührten Regenwald ein verstecktes Paradies. Während die Figuren des Romanautors im südamerikanischen Dschungel fiktiven Sauriern begegneten, fanden reale Forscher jetzt im indonesischen Papua eine ganze Reihe bislang unbekannter Tierarten - und fotografierten zum ersten Mal überhaupt einen Paradiesvogel, der lange als verschollen galt.

Die Expedition führte das Team aus Australien, Indonesien und den USA im vergangenen Dezember in die abgeschiedenen Foja-Berge im westlichen Teil der Insel Papua. Er gehört zu Indonesien, während der Ostteil der Insel zu Papua-Neuguinea gehört. Die Methode der Forscher wird Rapid Assessment Field Trip (RAP) genannt: die schnellstmögliche Katalogisierung möglichst vieler Arten.

Das Team um Bruce Beehler von der Organisation Conservation International (CI) fand unter anderem 20 bislang unbekannte Froscharten, vier Schmetterlinge und eine Anzahl neuer Pflanzen, darunter fünf Palmen und der Rhododendron mit den größten bekannten Blüten von rund 15 Zentimetern Durchmesser. Auch ein für Indonesien neues Säugetier konnten die Forscher beobachten: Ein goldfarbenes Baumkänguruh (Dendrolagus pulcherrismus). Bislang galt es nur als im Ostteil von Papua heimisch.

Während der einmonatigen Expedition konnten die Biologen auch ein ganz spezielles vogelkundliches Rätsel lösen, das des Berlepschen Strahlenparadiesvogel (Parotia berlepschi). Dieses Tier, das vor über hundert Jahren in Indonesien gefangen worden war, galt seitdem als verschollen. Jetzt fanden die Forscher sein Brutrevier.

Unberührter Dschungel beinahe geflutet

Noch unklar ist, ob sie auch eine neue Vogelart entdeckt haben: Beehler glaubt, eine neue honigfressende Spezies sei bisher noch nicht dokumentiert worden. Nach der Heimkehr werden die Ergebnisse nun ausgewertet und veröffentlicht. Dann müssen internationale Vogelkundler überprüfen, ob das Tier tatsächlich noch nicht verzeichnet wurde. Es wäre die erste neuentdeckte Vogelart auf der Insel seit über 60 Jahren. In diesem Fall, sagte Beehler der "New York Times", werde er es nach seiner Frau benennen.

Das Ziel der Expedition, unter anderem von CI und der National Geographic Society finanziert, war aber nicht nur, neue Arten zu entdecken. "Näher kommt man auf der Erde nicht an den Garten Eden heran", sagte Beehler. Er verwies auf den Wert der Region als Reservat für die Artenvielfalt. Mit über einer Million Hektar stelle der Wald von Foja den größten ursprünglichen tropischen Regenwald Asiens dar. 300.000 Hektar in den Bergen von Foja seien von Menschen gänzlich unberührt.

Diese Feststellung hat eine politische Dimension. Mitte der neunziger Jahre gab es in Indonesien Pläne, den Fluss Mamberamo aufzustauen. Der Damm hätte die gesamte Talsenke geflutet, die zu dem wertvollen Gebiet gehört. Erst die Finanzkrise in Ostasien stoppte diese Pläne.

stx

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