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14.02.2006
 

Rügen

Erster Vogelgrippe-Verdacht in Deutschland

Die Vogelgrippe hat höchstwahrscheinlich Deutschland erreicht. Auf der Insel Rügen wurden vier tote Schwäne gefunden, bei zweien wurde das gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen, sagte Bundesagrarminister Seehofer.

Berlin - Laut Seehofer ergab ein Schnelltest bei zweien der verendeten Schwäne den Verdacht auf den gefährlichen Virus H5N1. Mit endgültigen Ergebnissen des Europäischen Referenzlabors in England rechne man am Donnerstag, sagte der Minister am Abend in Berlin. "Nach allen uns vorliegenden Daten müssen wir davon ausgehen, dass der Verdacht vom Europäischen Referenzlabor bestätigt wird." Es sei jetzt eine "sehr ernste Situation" eingetreten. Wichtig sei es nun, ein Überspringen der Seuche auf Nutztiere zu verhindern.

Ein routinemäßiges Treffen mit seinen Kollegen aus den Ländern in Berlin will Seehofer zu einer Sitzung des nationalen Krisenstabes umfunktioniert. "Die Vogelgrippe macht uns zunehmend Sorgen. Das Tempo der Ausbreitung nimmt deutlich zu." Die Stallpflicht soll ab diesem Freitag vermutlich bis Ende April gelten. Ursprünglich hatte sie erst ab dem 1. März wieder in Kraft treten sollen.

Laut Angaben des Agrarministeriums in Mecklenburg-Vorpommern wurde rund um die Fundstelle auf Rügen ein Schutzgebiet von drei Kilometern eingerichtet. Das bedeute, dass Betriebe mit Geflügel untersucht würden und nur eingeschränkt Geflügel transportiert werden dürfe. Zudem gebe es ein Beobachtungsgebiet im Umkreis von zehn Kilometern.

Geflügelausstellungen werden verboten

Bereits am Nachmittag hatte Seehofer mitgeteilt, dass die Bundesregierung Geflügelausstellungen und -märkte bundesweit verbieten wird.

Nur wenige Stunden zuvor war der Vogelgrippe-Erreger H5N1 mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Österreich festgestellt worden. Erste Untersuchungen zum Tod von Schwänen, Enten und weiteren Vögeln in der Steiermark ergaben eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent, dass das Virus Österreich erreicht hat, sagte ein Sprecher der zuständigen Gesundheitsbehörde der Nachrichtenagentur APA zufolge.

Dort sind vermutlich zwei Schwäne mit H5N1 infiziert, hieß es in einer Mitteilung des österreichischen Gesundheitsministeriums. Die Proben seinen bereits zur näheren Überprüfung an das EU-Referenzlabor in England geschickt worden. Die Behörden wiesen die Geflügelhalter in der Steiermark an, ihre Tiere im Stall zu halten.

Im benachbarten Slowenien gab es bereits einen ersten Verdachtsfall. Am Wochenende wurden auch Infektionen in den EU-Ländern Griechenland und Italien bekannt. Mindestens 91 Menschen sind bislang an H5N1 gestorben, die meisten davon in Ostasien.

Europa ist auch nach Einschätzung der Welternährungsorganisation (FAO) in Rom derzeit stark von der Vogelgrippe bedroht. Das größte Risiko gehe von Zugvögeln aus, die aus befallenen Regionen Afrikas zurückkehren. Die FAO rief die Regierungen auf, Geflügel vor Infektion mit dem Virus zu schützen.

EU-Experten für Tierseuchen kommen morgen in Brüssel zusammen, um über weitere Schutzmaßnahmen gegen die auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe zu beraten.

ler/har/rtr/dpa/AP

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