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15.05.2006
 

Vulkan Merapi

Experten fürchten tödliche Gaswolken

Ein heftiger Ausbruch des Vulkans Merapi steht nach Meinung von Experten unmittelbar zuvor: Seit dem Wochenenden gilt Alarmstufe Rot. Ob der Berg aber explodiert oder die Aktivität langsam zunimmt, ist unklar. Am meisten fürchten Forscher Wolken tödlicher Gase.

"Der Merapi ist nun am Beginn der Eruptionsphase", sagte ein Vulkanologe der Merapi-Beobachtungsstation. Tatsächlich verstärkte sich am Montag die Aktivität des Vulkans auf der indonesischen Insel Java erneut. Am Wochenende hatten die Behörden in der nahen Provinzhauptstadt Yogyakarta Alarmstufe Rot, die höchste Warnstufe, ausgerufen.

"Das ist die bisher größte Aschesäule", sagte Ratmono Purbo, der Chef des Vulkanforschungszentrums von Yogyakarta. Der Vulkan feuere derzeit Gas und Asche bis zu vier Kilometer in die Luft. Der Berg speit mittlerweile glühende Lava, Asche und Gesteinsbrocken aus. Über dem rund 3000 Meter hohen Vulkan stünden dicke, schwarze Rachwolken, hieß es von der Merapi-Beobachtungsstation. Ascheregen und kleine Gesteinsbrocken gingen bis in vier Kilometern Entfernung nieder. Am Krater waren mehrere schwere Explosionen zu hören.

Noch im zehn Kilometer entfernten Ketep rieselte Asche vom Himmel und bedeckte Pflanzen wie Gebäude mit einem grauen Schleier. Viele Ortschaften wirkten wie ausgestorben. In einigen Gegenden der Evakuierungszone harrten Bewohner dennoch aus und starrten gebannt auf die dunklen Wolken am Gipfel des Merapi.

Die Behörden sprechen von der höchsten Aktivitätsstufe, die der Vulkan in den vergangenen Tagen erreicht hat. Den Wissenschaftlern vor Ort bereiten die Wolken mit tödlichen, heißen Gasen derzeit die größten Sorgen. Sie befürchten, dass beim Zusammenbruch eines Lavakegels große Mengen davon frei werden könnten.

Es war das Szenario eines plötzlichen Ausbruchs, das die Behörden am Wochenende zur Räumung der Gebiete unmittelbar um den Vulkan veranlasst hatte. Ob dieser Fall eintreten wird, ist nicht sicher. Der Eruptionsprozess könnte sich anstelle eines plötzlichen Ausbruchs auch schrittweise verstärken, sagte ein Vulkanologe des Instituts in Yogyakarta.

Die meisten Dörfer in der Nähe des Berges seien inzwischen geräumt, sagte ein Behördensprecher. Nur einige Männer seien zunächst noch zurückgeblieben, um nach Vieh und Häusern zu sehen. Zahlreiche bis dahin verbleibende Bewohner rund um den Vulkan flohen am Montag und bestiegen bereits wartende Lastwagen, die sie zu Notquartieren brachten.

Am Samstag hatten nur rund 12.000 der rund 30.000 Bewohner der Gefahrenzone Schutz in Notunterkünften gesucht. Viele fürchteten, dass ihr Hab und Gut in die Hände von Plünderern fallen könnte. In den Dörfern um den Vulkan herum hatten Bewohner noch in den vergangen Tagen Riten einer Naturreligion vollzogen, um den Berg Milde zu stimmen und Schaden abzuwenden. Der Merapi rumort bereits seit Wochen, Ascheregen künden seit vorletzter Woche von gesteigerter Aktivität.

Beim vorangegangenen Ausbruch des Merapi 1994 starben 66 Menschen. Die verheerendste Eruption ereignete sich 1930, als fast 1400 Menschen getötet wurden. Der Vulkan ist einer von 65 Feuerbergen in Indonesien, die als gefährlich gelten.

stx/AP/dpa/rtr

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