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23.06.2006
 

Evolution

Bernsteinfund löst Spinnenrätsel

In 110 Millionen Jahre altem Bernstein konservierte Spinnenbeine haben die gemeinsame Abstammung zweier Spinnenfamilien bewiesen. Beide bauen wagenradförmige Netze, gehen beim Fangen der Beute aber verschiedene Wege.

Spinnen bevölkern die Erde schon sehr lange. Die bislang älteste bekannte Webspinne sponn ihr Netz schon vor rund 120 Millionen Jahren. Das Fossil - ein nur rund zwei Millimeter langes Männchen mit acht Augen in zwei Reihen - lebte zu einer Zeit, als sich die Blütenpflanzen und mit ihnen die bestäubenden Insekten stark ausbreiteten.

Wissenschaftler der University of California glauben nun jedoch, dass die Gliederfüßer sogar schon vor 136 Millionen Jahren kunstvolle Netze bauten. Dies schließen sie aus einem neuen Fund. Jessica Garb und ihre Kollegen von der University of California hatten ein 110 Millionen Jahre altes Stück Bernstein untersucht. Darin waren 26 Spinnenfäden, das Bein einer Wespe, eine Milbe und ein Käfer konserviert.

Genetische Untersuchungen bestätigten, dass Spinnen ihre Opfer sogar schon seit 136 Millionen Jahre in jenem kunstvollen Netz fingen, das die Form eines Wagenrads hat. "Ein beeindruckendes Beispiel von Architektur im Tierreich", schreiben Jessica Garb und Kolleginnen von der Universität von Kalifornien in Riverside im Fachjournal "Science" (Bd. 312, S. 1762). Trotz ihrer hauchdünnen Fäden sind diese Netze in der Lage, der Aufprallwucht fliegender Insekten standzuhalten.

Mit ihrer Untersuchung konnten die Wissenschaftler auch eine offene Frage der Spinnenevolution klären. Es gibt zwei Spinnenfamilien, Araneoidea und Deinopoidea, die die Kunst beherrschen, wagenradförmige Netze zu spinnen. Die eine benutzt einen körpereigenen Klebstoff, um ihre Beute festzuhalten, die andere trockene Fasern. Die Hypothese, dass sich beide Familien das Spinnen unabhängig voneinander entwickelten, erwies sich in der genetischen Studie der Amerikaner als falsch. Vielmehr haben beide Arten einen gemeinsamen Ursprung, glauben die Forscher. Denn sie besitzen gemeinsame Schlüsselproteine in ihren Seidenfäden, wie der DNA-Vergleich ergab.

hda/dpa

Korrektur: Im zweiten Absatz hieß es fälschlicherweise, Spinnen seien Insekten. Spinnen und Insekten bilden jedoch verschiedene Untergruppen der Gliederfüßer (Arthropoda).

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