Tropische Wirbelstürme, winterliche Schneestürme und schwere Dürren in einer Vorhersage, die 30 Jahre in die Zukunft reicht: Das japanische Forschungsministerium hat ehrgeizige Ziele. Der "Earth Simulator", vormals der schnellste Supercomputer der Welt, soll die Prognose aus einem umfassenden Modell der Erdoberfläche und -atmosphäre ableiten.
Erdsimulator: Der japanische Supercomputer "Earth Simulator" soll eine Extremwettervorhersage für die kommenden 30 Jahre berechen
Nach Angaben von Tomonori Otake, einem Vertreter des Ministeriums, soll das Forschungsprogramm im kommenden Frühjahr beginnen. Forscher könnten ab jetzt Vorschläge einreichen. Die Langzeit-Vorhersage ist ein Spross der laufenden japanischen Forschungsaktivitäten zu den Folgen der globalen Erwärmung in den kommenden 300 Jahren.
Im Gegensatz zu globalen Klimamodellen, die beispielsweise die Veränderung in der Oberflächentemperatur, der Eisbedeckung oder der Niederschläge im Monats- oder Jahresrhythmus darstellen, soll das neue Projekt eher einer Extremwettervorhersage gleichen: Das Ministerium erhofft sich Prognosen über Routen für tropische Wirbelstürme und will Gegenden eingrenzen können, die von häufigem Starkregen, hohen Wellen, Dürre in Folge von Hitzewellen, stürmischen Winden oder heftigem Schneefall bedroht sind.
"Dann können wir sehen, welche Gegenden gefährdet sind und schon über Gegenmaßnahmen nachdenken", sagte Otake. So könnte die Regierung Hilfsgelder für Krisenregionen einplanen, bevor diese von Naturkatastrophen getroffen würden.
Der "Earth Simulator" war von 2002 bis 2004 der schnellste Supercomputer der Welt, bis er vom Rechner "Blue Gene" überholt wurde. Die Maschine, die in Yokohama eine Halle von der Größe eines Flugzeughangars füllt, kann über 35 Billionen Rechenoperationen in der Sekunde durchführen.
Das Endprodukt des geplanten Forschungsprojekt dürfte aber eher einer jahreszeitabhängigen Risikoeinschätzung gleichen als einer Wettervorhersage für einen Mittwochvormittag im Jahr 2036. "Wie auch bei den täglichen Wettervorhersagen werden wir keine Prozentzahl für die Genauigkeit angeben können", sagte Otake.
stx/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Klimawandel | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH