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04.08.2006
 

Bissige Tiere

Giftspinnen lösen Hysterie in Österreich und Deutschland aus

Eine kleine Giftspinne hat in Österreich eine Hysterie ausgelöst: Hunderte von Patienten haben die Notaufnahmen von Krankenhäusern gestürmt. Auch in Brandenburg und Bayern treibt der Dornfinger sein Unwesen. Schon ist von der "Invasion der Todesspinnen" die Rede.

Wer klein und gemein sein möchte, könnte sich beim Dornfinger einiges abschauen: Die Giftspinne wird höchstens eineinhalb Zentimeter lang - aber ihre Beißwerkzeuge können die menschliche Haut durchdringen und hässliche, dunkel unterlaufene, schmerzende Wunden hinterlassen.

Dornfinger: Klein, aber giftig
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AP / Ökoteam - Institut für Faunistik & Tierökologie

Dornfinger: Klein, aber giftig

Kein Wunder, dass die Menschen vor dem Winzling mit dem roten Kopf und den acht Beinen Respekt haben. In Österreich ist sogar eine regelrechte Hysterie ausgebrochen. Allein in der Notaufnahme des Allgemeinen Krankenhauses in Linz seien am Mittwoch 190 Personen mit vermeintlichen Spinnenbissen aufgetaucht, sagten Ärzte dem Fernsehsender ORF. Allerdings hätten nur acht Patienten mögliche Symptome gezeigt, zu denen Brechreiz, Schwindelgefühl und Kreislaufbeschwerden gehören können.

Die Lokalzeitungen sind voll von Berichten über Spinnen-Attacken. Die Wiener Vergiftungs-Notrufzentrale wird von Hunderten Anrufen überrollt, und inzwischen sah sich sogar die Regierung in Wien genötigt, das Volk zur Ruhe zu mahnen. "Der Biss des Dornfingers ist schmerzhaft", sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. "Aber er ist nicht tödlich." Im Falle eines Bisses solle man einen Arzt konsultieren - aber bitte nicht gleich in Panik geraten.

Klimawandel begünstigt Giftspinnen

Auch in Deutschland wurden bereits einige Zwischenfälle mit Dornfingern gemeldet. "Giftspinne breitet sich in Brandenburg aus", titelte die Nachrichtenagentur AFP. Der "Berliner Kurier" sah bereits eine "Invasion der Todesspinnen" und warnte seine Leser, der Biss könne "Gewebe absterbenden lassen und einen heftigen Schock auslösen". In bayerischen Medien war von der "teuflischen Brut" die Rede.

Der Dornfinger ist Biologen auch unter den Namen Cheiracanthium punctorium bekannt und gehört zur Familie der Sackspinnen. Dass es den gelblich-braunen Gesellen mit den langen Beißern überhaupt in Deutschland gibt, haben die Menschen der Klimaerwärmung zu verdanken. Denn einst war der Dornfinger im Mittelmeerraum zu Hause. Mit den steigenden Temperaturen dringt er aber immer weiter nach Norden vor, sagte Matthias Freude, Chef des Brandenburger Landesumweltamtes.

In unseren Breiten müssen sich die Menschen offenbar erst an giftiges Getier gewöhnen. Denn ein Dornfinger-Biss hat nur selten dramatische Folgen - laut Freude ist er mit einem Bienen- oder Wespenstich vergleichbar.

Christian Baldinger, Arzt in Oberösterreich, berichtete der Nachrichtenagentur AP von seiner persönlichen Begegnung mit einer der "Todesspinnen": "Es war wie die Berührung mit einer Brennnessel, aber nicht wirklich schmerzhaft", sagte der 53-Jährige. Zwei Tage später sei die Wunde rot und entzündet gewesen. Ein Spezialist habe ihm gesagt, die Symptome würden binnen zehn Tagen abklingen.

Wer sich nicht vor dem Dornfinger fürchtet, könnte mit der Spinne sogar Geld verdienen. Sammler sollen nach Angaben der Wiener Zeitung "Kurier" mehr als 200 Euro für ein Exemplar auf den Tisch legen. Der hohe Preis dürfte einen einfachen Grund haben: Der Dornfinger steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten - und darf deshalb nicht im Terrarium gehalten werden.

mbe/AP/AFP

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