Laien mögen vielleicht nur Gräser und Wildblumen sehen, nicht mehr als irgendeine Wiese. Die Wissenschaftlerin Elsa Cleland sieht im Grasland von heute die Probleme von morgen.
Eine Forschungsgruppe der Stanford University um die Biologin Cleland hat ein Grasland-Ökosystem im US-Bundesstaat Kalifornien erforscht und dabei beobachtet: Wärme allein lässt alle Pflanzen einfach schneller wachsen und früher blühen, das kennt man vom eigenen Garten. Europäische Forscher haben bereits zeigen können, dass als Folge der globalen Erwärmung der Beginn des Frühling für alle Pflanzen im Kalender nach vorne wandert.
Als die amerikanische Forschungsgruppe für Teile ihrer Versuchswiesen ein künstliches Klima schuf, fand sie nun Erstaunliches heraus: Steigerten die Wissenschaftler in der Simulation die Konzentration des Kohlendioxids in der Luft, verschoben sich die Blütephasen verschiedener Pflanzengruppen gegeneinander.
Forscher fürchten Folgen für die Nahrungskette
So kommen bestimmte Wildblumen früher und Gräser später als normalerweise zur Blüte, wenn sich mehr CO2 in der Luft befindet. Das Problem dabei ist, dass das Grünzeug sich so gegenseitig Konkurrenz machen könnte, obwohl die Natur das ursprünglich gar nicht vorgesehen hatte: Unter Normalbedingungen blüht das Gras deutlich vor bestimmten Blumen, um einen Wettbewerb um die Versorgung mit Nährstoffen zu vermeiden.
Die Verschiebung könnte beide zukünftig gleichzeitig blühen lassen und so ganze empfindlich aufeinander eingespielte Ökosysteme bedrohen. Etwas Ähnliches passiert, wenn mehr Stickstoff in den Boden gelangt, der für die Pflanzen ein wichtiger Nährstoff ist. Mehr Flüssigkeit wie bei stärkeren Niederschlägen hingegen beeinflusst die Pflanzen in ihrem Verhalten kaum.
In der Studie, die in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde, befürchten die Forscher nun, dass der weltweite Klimawandel die Wachstumsphasen unterschiedlicher Pflanzengruppen verändern werden. Eine Art Dominoeffekt wäre die Folge, der die gesamte Nahrungskette beeinträchtigen könnte, sagen sie.
Rasante CO2-Zunahme
Kohlendioxid, als Treibhausgas Antreiber der Entwicklung und Indikator für deren Ausmaß zugleich, gibt es derzeit jedenfalls soviel in der Atmosphäre wie seit 650.000 Jahren nicht mehr.
Beim Jahrestreffen der British Association for the Advancement of Science (BA) in Norwich sagte der Klimaforscher Eric Wolff, wissenschaftlicher Leiter des British Antarctic Survey, der bislang älteste je geborgene Eiskern zeige dies eindeutig. Vor zwei Jahren hatten die Wissenschaftler schon im Fachmagazin "Nature" beschrieben: In keiner der eingeschlossenen Gasblasen des Antarktis-Eises aus den letzten 650.000 Jahren hätten sie eine höhere CO2-Konzentration gefunden als in der gegenwärtigen Erdatmosphäre.
Mittlerweile zeige das bis zu 800.000 Jahre alte Eis des Bohrkerns auch klar die Entwicklung in jüngster Vergangenheit: Vom ersten Jahrtausendwechsel unserer Zeitrechnung bis etwa 1800 war die CO2-Konzentration stabil bei rund 280 Molekülen pro einer Million Luftteilchen. Heute sind es bereits 380. "Wir sind wirklich in einer Situation, in der etwas geschieht," sagte Wolff. "Es ist ein Experiment, dessen Ausgang wir nicht kennen."
akh/ddp
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