Meteorologen und Klimaforscher haben es schon länger befürchtet: Rekordsommer und einzelne Monate mit enormer Hitze häufen sich. Doch das war noch nicht alles: Extremsommer mit lang anhaltenden Hitzewellen oder Flutkatastrophen werden in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts die Regel werden, berichten Schweizer Klimaforscher im Wissenschaftsmagazin "Nature".
Mit Hilfe von Modellrechnungen am Computer legten die Wissenschaftler um Sonia Seneviratne von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich dar, wie sich das komplexe Verhältnis von Lufttemperaturen und Bodenfeuchtigkeit bis zum Jahr 2100 entwickeln wird. Demnach wird sich im Zuge der globalen Erwärmung das trocken-heiße Mittelmeer-Klima nach Norden ausbreiten.
In Mittel- und Osteuropa wird das der Studie zufolge dazu führen, dass aus den Böden mehr Wasser verdunstet und auch die Pflanzen mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre abgeben. Je nach Beschaffenheit der Böden sind die Folgen unterschiedlich, das Ergebnis wird aber immer das gleiche sein: extremere Sommer.
Sind die Böden trocken, verlieren sie und die Pflanzen mit der Zeit immer mehr Feuchtigkeit. Deswegen können sie sich immer schlechter abkühlen, was länger anhaltende Hitzewellen wahrscheinlich macht. Auch die Pflanzenwelt dürfte sich wandeln. So dürfte auf den trockenen Böden zunehmend wärmeliebendes Gestrüpp anstelle Kühlung spendender Bäume wachsen.
Ständige Überschwemmungen und Dürren erwartet
In Regionen mit feuchten Böden hingegen treiben Luftfeuchtigkeit und Warmluft den natürlichen Wasserkreislauf an. Dort steigt das Risiko von sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen. "Allein in den vergangenen zehn Jahren hatten wir in Deutschland sechs sogenannte Jahrhundertfluten", sagte Mojib Latif vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften am Mittwoch auf dem Kongress "aqua alta 2006" in Hamburg. Wie viele andere Experten befürchtet auch Latif, dass es hierzulande durch den Klimawandel zu mehr Fluten, längeren Trockenperioden und anderen Wetterextremen kommen wird.
Auch die Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beobachten, dass die Extremereignisse häufiger vorkommen. Seit 1893 werden in Potsdam ununterbrochen Temperaturen gemessen. "Von den zehn heißesten Sommern während dieser Zeit lagen sechs in den letzten zwei Jahrzehnten", sagte Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom PIK anlässlich des Rekordjulis 2006 zu SPIEGEL ONLINE.
Während es einzelne Jahre mit extrem heißen Sommern schon früher gegeben habe, sei diese direkte Abfolge neu. Die ununterbrochene Folge von warmen Sommertagen und extrem heißen Tagen mache "das Ganze erst so unangenehm". Von den Schäden für Bauern, deren Felder vertrockneten, einmal ganz abgesehen. Zukünftig werde der Landregen nicht mehr so regelmäßig kommen, vielmehr werde es kurze und intensive Regengüsse geben.
fba/AFP/dpa
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