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Saurier-Streit Showdown um den Dino-Killer

2. Teil: Die Schlamm-Schlacht der Forscher - wie das große Graben in 300.000 Jahren Erdgeschichte den Streit vollends eskalieren ließ. Weiter...

Just als die Gruppe um Keller die Oberhand zu gewinnen schien, desertierte allerdings einer ihrer Mitarbeiter. Peter Schulte, der bis Anfang 2003 seine Doktorarbeit bei Keller schrieb und inzwischen an der Uni Erlangen arbeitet, mochte der Argumentation seiner einstigen Chefin nicht mehr folgen. Er wurde zu einem ihrer schärfsten Widersacher. Die Tonminerale, die sich Keller zufolge während der Dinosaurierzeit oberhalb der Einschlagsrelikte allmählich gebildet haben, seien von einer anderen Sorte als von Keller behauptet, sagt Schulte.

"Ich werde mich nicht mehr an der Diskussion beteiligen"

Auch die Grabbauten seien kein Beleg für stete Ablagerungen - es gebe viel zu wenige. Sie ließen sich mit der Impact-Theorie erklären: Bei Rutschungen würden bisweilen Krebse und Würmer mitgerissen, die sich einen Weg ins Freie bahnen, sagt Schulte.

Keller und ihre Kollegen wollen noch Hunderte Kilometer vom Krater entfernt dicke Sedimente aus 300.000 Jahren identifiziert haben, die sich zwischen den Relikten des Chicxulub-Einschlags und der Iridiumschicht aus der Zeit des Massensterbens abgelagert haben sollen. Schulte und die meisten anderen Forscher hingegen sehen auch darin nichts als Rutschungen und Tsunami-Schutt.

Kellers Widersacher fordern seit Monaten, sie möge ihre Sedimentproben von anderen Forschern kontrollieren lassen. "Solange sie sich weigert, werde ich mich nicht mehr an der Diskussion beteiligen", sagt Smit zu SPIEGEL ONLINE. Er wirft Keller "unwissenschaftliches Verhalten" vor - eine eher zahme Formulierung gemessen an früheren Wortwechseln zwischen Keller und Smit. Beide hatten mehrfach erklärt, sie hielten sich gegenseitig für nicht fachkundig. Auf Tagungen kam es zu hitzigen Wortgefechten. "Niemand möchte da hineingezogen werden", sagte ein Forscher, der lieber nicht namentlich genannt werden will.

Impact-Fraktion in der Offensive

Die Impact-Fraktion bekommt inzwischen wieder stetig Zulauf. Denn neuerdings gerät auch das Hauptargument der Vulkan-Klima-Fraktion in die Kritik. Dass Keller & Co. an mehreren Orten in Mittelamerika Reste des Chicxulub-Meteoriten in Schichten fanden, die lange vor dem Massensterben abgelagert wurden, beweist dem Impact-Anhänger Smit zufolge gar nichts. Denn in Mittelamerika seien die Ablagerungen örtlich durcheinander geraten. Die Erdkruste sei nach dem Einschlag vermutlich noch Jahrtausende fragil gewesen, sodass immer wieder Schichten kollabiert seien. Smit erhält dabei Unterstützung von unabhängiger Seite: Eine Gruppe um Joanna Morgan vom Imperial College in London berichtet in der neuen Ausgabe der "Earth and Planetary Science Letters", dass außerhalb der Region die Meteoritenspuren direkt in den Schichten der Zeitenwende liegen.

Die Sprengsel zeichnen außerdem ein besonderes Muster: Je größer der Abstand vom Chicxulub-Krater, desto kleiner sind die Relikte des Einschlags. Chicxulub scheint also das Zentrum und damit die Quelle der Partikel gewesen zu sein, folgern die Forscher. Unsinn, erwidert Keller im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: Entscheidend seien die Ablagerungen in der Nähe des Kraters.

Doch auch zwei weitere neue Arbeiten stützen die Impact-These. Eine Gruppe um Ignacio Arenillas von der Universität Saragossa fand in Sedimentschichten 500 Kilometer südlich des Kraters Hinweise, dass Mikrofossilien aus der frühesten Nach-Kreidezeit direkt über den Meteoriten-Sprengseln liegen. Der Einschlag verursachte also die Zeitenwende, folgert Arenillas in "Earth and Planetary Science Letters".

Ist die Meteoriten-Theorie zu simpel?

Der Schutt des Chicxulub-Boliden liege außerdem mitten in der Iridium-Schicht - jener Staubspur, die während des Massensterbens von einem Meteoriten weltweit verteilt wurde, berichtet Tobias Salge von der Humboldt-Universität Berlin in einer noch unveröffentlichten Studie. Nun könne der Chicxulub-Meteorit eindeutig für das Dinosaurier-Sterben verantwortlich gemacht werden, sagt Salge. Ein Trugschluss, kontert Keller. Vermutlich seien Schichten erodiert und fehlten nun. Die Iridiumschicht stamme von einem anderen Meteoriten, dessen Krater nicht bekannt sei.

Gleichwohl kommen diese neuen Studien Keller eher ungelegen. Denn ausgerechnet in dieser Woche hat sie auf der Tagung in Philadelphia ihre Alternative zur Impact-Theorie präsentiert. Keller favorisiert ein "multikausales Szenario", dem zufolge mehrere Ursachen für das Massensterben verantwortlich sind. Neben Vulkanausbrüchen macht Keller ein drastisches Anschwellen der Meere, Klimaveränderungen und Meteoriteneinschläge für das Desaster verantwortlich - denn Hinweise für entsprechende Umweltveränderungen gibt es seit langem. Auch mehrere kleinere Krater wurden gefunden, die zur fraglichen Zeit entstanden sein könnten.

Die meisten Kollegen finden es unverständlich, warum Keller ein kompliziertes Szenario konstruiert und nicht das nahe liegende akzeptiert. Keller dagegen findet die Impact-Theorie nach wie vor "allzu simpel".

Sie kämpft mit weniger Verbündeten als je zuvor - aber, sagt Schulte: "Mit dieser Einstellung beflügelt sie seit Jahren den ganzen Forschungszweig."

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